Vereinsgeschichte

Walter Wolf (Ehren-Vorsitzender) hat in jahrelanger Arbeit Wissenswertes über die Geschichte des TuS Fleestedt und des Ortes Fleestedt zusammengetragen. Diese Chronik, an der Walter Wolf weiterhin arbeitet, wird hier jetzt in unregelmäßigen Abständen Stück für Stück und in loser Reihenfolge veröffentlicht.


Walter Wolf

Hermann Fabel, ein Lehrer, wie er sein soll

Am 16. Oktober sollte man beim TuS Fleestedt, dem größten Verein, der kleinen Gemeinde am Höpen, feiern. Jedes Jahr. Denn am 16. Oktober 1907 kam Hermann Fabel aus Barnstorf bei Fallersleben, nach Fleestedt. Als 1. Lehrer an der kleinen Schule. "Er war ein kräftiger, stämmiger, lebensfroher Mensch," erinnert sich Heini Merta, Jahrgang 1907, Malermeister, und in Fleestedt und Umgebung bekannt wie der oft zitierte bunte Hund. Merta, der kurz vor seinem 97. Geburtstag im wahrsten Sinne des Wortes aus der Schule plauderte: "Fabel hatte natürlich auch einen Rohrstock, machte aber selten Gebrauch davon." Und das zu einer Zeit, von der man sagt: Fitness-Training der Lehrer war Schüler prügeln, wobei das Gehirn eher verkalkte, als der Arm erlahmte.


Fabel erregte Aufsehen, als er vorschlug, sich auch außerhalb der Schulzeit mit den Kindern zu beschäftigen und Sport zu treiben. Als sich Lehrer Eggers aber weigerte außerhalb der Schulzeit Sport mit den Kindern zu üben, gründete Fabel im Herbst 1911 den Turnverein Fleestedt. Mitstreiter war Willi Bostelmann. Er war nicht mit dem vierfachen Vater Fabel -Amanda, Fritz, Liesbeth und Annaliese -verwandt, obwohl Frau Fabel eine geborene Bostelmann war. Aber Bostelmann war Gastwirt, und wie Ur-alt-Fleestedter sagen, ein recht geschäftstüchtiger. Wie alle Honoratioren traf man sich von Zeit zu Zeit bei Bostelmann. Und da - wie man weiß - bei Gesprächen in froher Runde gute Gedanken ausgebrütet werden, fand Fabel in Bostelmann einen Mitstreiter. Denn er stellte seinen Tanzsaal als Turnplatz zur Verfügung. Sehr zum Entsetzen einiger Fleestedter Bauern, die es als Kraftverschwendung ansahen, wenn sich ihre Knechte sportlich betätigten. Und als gar Bauernsöhne mitmachten, war Fabel nicht unbedingt der gute Freund. Zumal er sich auch politisch betätigte. "Er hatte viel zu viel Politik im Kopf," erinnert sich Ernie Meier vom Gasthof "Zu den 8 Linden". Mit der Politik hatte es Fabel, geboren am 7.12.1874, gestorben am 18.1.1932, tatsächlich. Dreimal hintereinander 1921,1925 und 1929 wurde der Sozialdemokrat Fabel in den Kreistag gewählt.
Aber es war nicht nur die Politik, in der sich der Lehrer betätigte. In der Chronik von Max Truels "Fleestedt - das Dorf am Höpen " ist das nachzulesen. Er trieb die Bildung einer Schulbibliothek voran, spendete dafür das Geld, das er als Viehzähler bekam, war Dirigent im Gesangverein, Schriftführer und Kassierer im Ziegenzuchtverein. Vor allem aber lag Fabel, der von 1914 bis 1916 auch Soldat war, die Weiterbildung der jungen Leute am Herzen. In der Chronik der Fleestedter Schule, geschrieben von Fabel in Sütterlin, übersetzt von Ernst Neumüller jun.,dem Fleestedter Bildermacher. Wörtlich heißt es dort: "Mancher mochte auch fürchten, dass sein Knecht ihm nach dem Besuch der Fortbildungsschule geistig überlegen sei." Hermann Fabel war bis 1929 Vorsitzender des Turnvereins. Dann wurde er von dem Glüsinger Hans Meyer als Vorsitzender des Turnvereins abgelöst.


Friedrich Sahling, er lebte für und mit dem Sport



Friedrich Sahling, geboren am 8.6.1904, ist es zu verdanken, daß wir trotz Verbot durch die Nazis, Krieg und Nachkriegszeit so viel über die Geschichte des Turnvereins Fleestedt wissen. Wann Friedel, nur so wurde er genannt, dem Turnverein beigetreten ist, ließ sich bisher nicht genau ermitteln. Da der Turnverein 1914 eine Knabenabteilung gründete ist anzunehmen, daß Friedel dabei war. Nach 1945 gehörte er zu den Männern der ersten Stunde - wie sein Eintrittsformular beweist.



Und aus dem Jahre 1958 gibt es ein Vorstandsprotokoll, das von Friedel Sahling unterschrieben ist. Ihm lag der Sport am Herzen, auch wenn die meisten Mitglieder der ersten Stunde vor allem Fußball im Kopf hatten. Doch bei Sportfesten der Kinder, jahrelang von Renate Wolf organisiert, tauchte Friedel nicht nur als Zuschauer auf. Renate Wolf: "Herr Sahling griff in die Tasche und manch größerer Schein half uns das Sportfest zu verschönern." Fleestedt 31, später Winsener Landstraße 68 war die Anschrift des Vereins der nicht nur mit der Goldenen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet, sondern auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Vor seinem Tod am 11. Februar 1988 schrieb er seinen Erinnerungen auf und erzählte, "weil alles was früher war doch nicht in Vergessenheit geraten darf."


Frühherbst 1911: Theater in der Kneipe

Friedel Sahling erzählt, wie Fleestedt zu Turnverein und Sportplatz kam.
Lehrer Hermann Fabel hatte im Frühherbst 1911 mit einigen Leuten aus Fleestedt über die Gründung eines Sportvereins gesprochen und war auf Zustimmung gestoßen. Er hatte auch Konfirmanden, die Ostern kommenden Jahres die Schule verlassen würden informiert, und sie aufgefordert, Freunde von dem Plan zu unterrichten. Die "Harburger Anzeigen und Nachrichten" (HAN) brachten im Lokalteil eine Notiz, daß in Fleestedt ein Turnverein gegründet werden sollte. Als Termin wurde der 12. November 1911 genannt. Ca. 60 Personen (genaue Zahlen liegen nicht vor) trafen sich bei Gastwirt Bostelmann. Ein Vorstand wurde gewählt. Hermann Fabel wurde 1. Vorsitzender, Ludwig Böttcher, der vorher in einem anderen Verein aktiv war, wurde zum 1. Turnwart. Das Eintrittsgeld wurde mit 2 Mark festgesetzt, die Höhe des Monatsbeitrages ist mir nicht bekannt. Da zum Sport auch Geräte notwendig sind, wurde beschlossen: Es werden Pferd, Spannreck, zwei Matten, Holzkeulen für die Damen und kleine Eisenhanteln für die Freiübungen der Männer bestellt. Fabel wollte sich bei anderen Vereinen erkundigen, welche Firma zu günstigsten Bedingungen liefern konnte. Da jedoch bei Lieferung bezahlt werden mußte, der Verein jedoch kein Geld hatte, erklärte sich Fabel bereit, sein Sparbuch zu plündern. Nach und nach, je nach Kassenlage, sollte der Verein die 500 Mark dann an Fabel zurückzahlen.



Als die Geräte geliefert waren konnte jedoch nicht sofort mit dem Turnen begonnen werden, obwohl Gastwirt Bostelmann (Willi, Willy, Willie - ihm war es egal, richtig ist Wilhelm) seinen Tanzsaal ohne Wenn und Aber zur Verfügung gestellt hatte. Ihm war klar, daß ein neuer Verein in Fleestedt seinem Geschäft nicht abträglich sein würde. So war er auch damit einverstanden, daß der Fußboden in der Mitte des Saales aufgebrochen wurde. Wörtlich schreibt Friedel Sahling: "Es wurden lange Balken verlegt, darauf viereckige Eisenplatten zum Einhängen der Ketten. Spannschrauben und zwei Eisenplatten sorgten für einen festen Stand der Reckstangen. Die eisenplatten mussten so gesetzt werden, daß sie gleiche Höhe wie der Saalboden hatten. Schließlich sollte im Saal weiter getanzt werden."

Jetzt endlich konnte mit dem Turnen begonnen werden. Ein Turnlehrer aus Harburg wurde verpflichtet, um den Übungsbetrieb zu leiten. Im November 1913 feierte der Turnverein sein 1. Stiftungsfest. Im Frühjahr 1914 wurde eine Knabenabteilung gegründet. Friedel Sahling war dabei. Doch schon ab August 1914, als der 1. Weltkrieg ausgebrochen war, wurde der Turnbetrieb eingestellt. Auch Hermann Fabel mußte die Uniform anziehen. Er wurde dem Endsturm-Bataillon in Lüneburg zugeteilt.



Der Landkreis hatte Saal und Veranda des Gasthauses beschlagnahmt. Die Bauern aus Fleestedt und Umgebung mussten ihr Getreide bei Bostelmann abliefern. Von dort holten die Harburger Großmühlen Roggen, Weizen und auch Hafer für Grütze und Haferflocken ab. Hafer, vor allem aber Gerste, wurde von den Harburger Pionieren und den Wandsbeker Husaren abgeholt. Nach Kriegsende 1918 holten die Harburger Großmühlen das restliche Getreide ab und der Saal bei Bostelmann war wieder frei. Im Frühjahr 1919 wurde zur Generalversammlung des Turnvereins Fleestedt eingeladen. Hermann Fabel wurde zum l. Vorsitzenden wiedergewählt. Otto Menge, Leiter der Bahnmeisterei Hittfeld, wurde 2. Vorsitzender, Karl Bauermann 1. Turnwart. Der Turnwart sah sich die Geräte an, die vier Jahre lang brach gelegen hatten. Die Eisenteile waren verrostet, alles mußte überholt werden. Der Kassenwart sprach von fehlendem Geld. Denn während des Krieges waren, weil das Turnen ausfiel, keine Beiträge kassiert worden. Um Geld in die Kasse zu bekommen, aber auch, um endlich seinen Vorschuß zurück zu bekommen, schlug Fabel vor, ein Theaterstück einzuüben. Ein Kollege von ihm, Lehrer Meyer aus Helmstorf hatte ein plattdeutsches Volksstück in vier Akten geschrieben.



1923: In der Schule auf Stroh

Alle vier Jahre fand ein Deutsches Turnfest statt, ebenso ein Gauturnfest. Wer an diesen Festen teilnehmen wollte, mußte sich beim Untergau melden. Hier wurde der Ort bestimmt, an dem die Ausscheidungswettkämpfe stattfinden sollten. Wir mussten an Geräten Pflichtübungen turnen. Die Ausführung wurde mir Punkten bewertet. Auch die Leichtathleten mussten in die Qualifikation. Die Ergebnislisten wurden an den Turngau gesandt. Dort wurden die Besten namhaft gemacht. Denn am Deutschen Turnfest konnte nur eine von Oben bestimmte Anzahl teilnehmen. Zum Deutschen Turnfest in München 1923 haben wir uns mit zehn Teilnehmern als Zuschauer gemeldet. Die Gaue Schleswig-Holstein, Hamburg und Hannover hatten bei der Bahn einen Sonderzug von Altona nach München bestellt. Wir hatten dadurch niedrigere Fahrtkosten. Auch für die Anreisezüge gab es verbilligte Fahrkarten. Der Zug hielt am Hamburger Hauptbahnhof, in Harburg, Lüneburg. Uelzen und Hannover. Von dort ging es ohne Halt durch bis München. In München haben wir in einer Schule geschlafen. In den Klassenräumen waren die Tische und Bänke in eine Ecke gestellt. Auf den Boden wurde Stroh geschüttet. Jeder von uns hatte zwei Wolldecken mitgebracht - eine kam aufs Stroh, mit der Zweiten deckte man sich zu.
Kurz vor Beginn des Turnfestes gab es in München einen handfesten Krach. Die Brauereien wollten während der Festtage die Bierpreise erhöhen. Aber die Gaststätten weigerten sich höhere Preise zu zahlen. Gastwirte-Verband, Oberbürgermeister und die Deutsche Turnerschaft setzten sich mit den Brauereien zusammen und verhandelten. Durch die Inflation bedingt kletterten die Preise sowieso jeden Tag. Es kam zu dem Beschluß: Die Preise werden nicht erhöht. Die Maß Bier - l Liter - kostete dann während des Turnfestes 3500,- Mark.


Viele Jahre lang wurde am 2. Ostertag - 1930 z.B. bei Krohwinkel in Hittfeld - ein Geräte-Wettkampf ausgetragen. Die Turner aus Hittfeld, Marmstorf und Fleestedt trafen zusammen. Friedel Sahling (ganz rechts) war sehr oft dabei.


1925: Turnfest und viel Besuche

Nach dem Turnfest haben wir noch an einer Fahrt mit dem Sonderzug nach Berchtesgaden teilgenommen. Am zweiten Tag haben wir eine Wanderung zum Königssee unternommen und eine Fahrt auf dem See gemacht. Am dritten Tag sind wir mit dem Sonderzug zurück nach München gefahren. In der Schule haben wir noch einmal übernachtet. Die Rückfahrt nach Hamburg erfolgte am nächsten Tag. Mein Vater, Hermann Becker und ich waren bei der Eisenbahn beschäftigt und wir hatten jeder einen Freifahrtschein. Wir sind dann von München nach Lindau am Bodensee gereist, haben eine Dampferfahrt nach Konstanz unternommen, dort übernachtet und dann die Heimreise angetreten. 1925 habe ich dann am Turnfest in Stade aktiv und erfolgreich teilgenommen. Nach dem Fest haben wir an einer Schifftour von Stade nach Helgoland teilgenommen. Nach dem Ausbooten fuhr das Schiff weiter nach Sylt. Wir blieben fünf Tage auf Helgoland. Dann kam das Schiff von Sylt zurück und nahm uns wieder mit. Auf der Rückreise lief das Schiff Cuxhaven an und die ersten Mitreisenden verließen das Schiff. Dann ging es die Elbe aufwärts. Einige Häfen wurden noch angelaufen, um Reisende von Bord zu lassen. Wir fuhren mit dem Schiff nach Marburg zurück.

1927 war das Deutsche Turnfest in Köln. Wir haben mit gut 20 Mitgliedern wieder als Zuschauer teilgenommen. Diesmal sind wir schon vier Tage vor Beginn des Festes gefahren. Abfahrt am frühen Abend in Hamburg. Im Sonderzug, über Hannover nach Mainz, haben wir etwas geschlafen. Den Namen der Schule oder den Straßennamen - wegen der Übernachtung - wussten wir nicht. Im Zug aber hatten wir uns vorgenommen einen Abstecher nach Heidelberg zu machen. Wir waren fünf Mann, die in Frankfurt ausstiegen und nach Heidelberg fuhren. Wir fanden gleich Quartier. Nach dem Mittagessen sind wir zum Neckar gegangen und haben gebadet. Am Nachmittag haben wir das Schloß besichtigt. Am nächsten Tag haben wir eine Wanderung zum Kaiserstuhl gemacht (Berg bei Heidelberg). Vom Gipfel hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf das Neckartal. Am nächsten Tag sind wir mit dem Zug nach Mainz gefahren und haben dann nach Befragen der Bevölkerung auch die Schule gefunden, in der die Fleestedter untergebracht waren. Den Morgen daraufsind die anderen Fleestedter mit dem Dampfer stromabwärts nach Köln gefahren. Wir Fünf haben uns währenddessen Mainz angesehen. Anschließend sind wir nach Biebrich-Wiesbaden gefahren. Dort kam auch der Vorschlag noch nach Rüdesheim zur berühmten Drosselgasse zu fahren. Als wir dort ankamen war es schon dunkel. Aber trotz Befragen vieler Ansässiger bekamen wir keine Unterkunft, weil sehr viele Besucher im Ort waren. Eine ältere Frau versprach uns ausserhalb unterzubringen. Es standen nur zwei Zimmer zur Verfügung, aber es gab neben den Betten noch ein Sofa und eine Couch, wo geschlafen werden konnte. Wir waren froh, daß wir überhaupt eine Unterkunft gefunden hatten Ich erzählte unserer Wirtin, daß wir am nächsten Tag zum Niederwalddenkmal und dann weiter über das Jagdschloß Assmannshausen nach Assmannshausen wandern wollten. Sie erklärte uns, daß unterhalb des Dorfes ein Feldweg durch die Weingärten zum Denkmal führt. Sie zeigte uns den Weg und am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu Denkmal und Schloß. Anschließend sind wir mit der Fähre zum anderen Rheinufer gefahren und haben Burg Rheinfels besucht. Wir sind dann bis Bacharach gewandert, haben übernachtet und sind dann mit dem Schiff nach Oberlahnstein gefahren. Schloß Stolzenfels (Hohenzollern Schloß) haben wir auch besichtigt. Nach einer Übernachtung Weiterfahrt mit dem Schiff und Besichtigung der Burgruine Drachenfels ging es weiter nach Köln. Wwir sind wegen der Wanderungen und Besichtigungen vier Tage später als geplant in Köln angekommen und haben nur noch wenig vom Turnfest gesehen. Am Montag sind wir dann in einen Sonderzug gestiegen, der nach Bremen fuhr. Über Hannover dann nach Hause.


1929: Gauturnfest in Hildesheim

1929 war das Gauturnfest in Hildesheim. Liesbeth Fabel und Henny Wille sind mit dorthin gefahren. Ich habe dort erfolgreich am Zwölfkampf teilgenommen. Nach dem Fest sind wir mit dem Zug nach Goslar gefahren - Stadtbesichtigung - Weiterfahrt nach Oker. Dann sind wir durch das Okertal aufwärts bis zu den Romkerhaller Wasserfällen gewandert, dann weiter durch einen Wald zu einem Forsthaus. Aber Zimmer waren für uns nicht mehr frei. Wir haben dann in einer Scheune geschlafen. Am nächsten Morgen sind wir zum Torfhaus gewandert. Inzwischen war Nebel aufgekommen und wir konnten den Brocken nicht mehr sehen. Also weiter bis Schierke, von dort mit dem Zug nach Rübeland. Dora Meyer aus Fleestedt hatte einen Gastwirt in Rübeland geheiratet. Wir haben sie aufgesucht, aber sie hatte keine Zimmer für uns frei, sie besorgte für uns aber Privatquartiere. Nach dem Abendessen sind wir gleich schlafen gegangen, denn die langen Wanderungen hatten uns doch mitgenommen. Am nächsten Tag haben wir die Tropfsteinhöhlen, Hermanns- und Baumannhöhlen, besichtigt. Am nächsten Tag sind wir mit dem Auto nach Treseburg gefahren, von dort auf einem Wandervveg im Bodetal nach Thale. In Thale haben wir übernachtet und sind von dort zur Gartenstadt Erfurt gefahren, haben eine Großgärtnerei besichtigt und sind dann nach Marburg gefahren.
(Verfasser ungenannt)


1930: Gauturnfest in Hittfeld

Der "Bunte Rasen" mit Gymnastik und Tanz gehörte zu jedem Turnfest - auch so in Hittfeld im Jahre 1930 (oben). Bei den Turnern war Friedel Sahling natürlich dabei und meistens mit Erfolg. Aber auch Gruppen mit Männlein und Weiblein nahm der Turnvater Sahling (hinten) unter seine Fittiche.









1930: Handball kommt nach Fleestedt

Harburger Vereine hatten angefangen Handball zu spielen. Nachdem wir uns einige Spiele angesehen hatten, sagten wir uns: Das können wir auch! Wir gründeten eine Mannschaft und haben einige Male gegen 2. Mannschaften Harburger Vereine gespielt. Wir bekamen Zulauf­zwei Spieler aus Hittfeld, gar drei aus Maschen. Jetzt waren wir stark genug, um gegen die l. Mannschaften der drei Wilhelmsburger und der vier Harburger Vereine antreten zu können. (In den Vereinen des Landkreises Harburg w:ar Handball da noch Fehlanzeige). Wir, die Außenseiter, hatten Erfolg, wurden sogar 1930/31 Meister.
Bei den Spielen am Höpen stellten wir immer wieder fest, wenn es geregnet hatte, daß das Wasser nicht ablief, sich große Pfützen bildeten. Wir mussten Spiele unterbrechen, ja. sogar absagen. Der Platz mußte eine Drainage haben, aber wie immer hatten wir kein Geld. Hermann Fabel hatte 1929 sein Amt abgegeben, politisch war er als Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag aber immer noch tätig. Sein Nachfolger war Hans Meyer, einer seiner engsten Mitarbeiter war Fritz Marks, und der schlug vor, wieder ein Theaterstück aufzuführen, um die Kasse zu füllen. Wir ließen uns von einem Verdener Verlag einige plattdeutsche Stücke schicken. Entschieden haben wir uns für einen Dreiakter mit dem Titel "dee Snee". ins Hochdeutsche übersetzt: Grenzscheide, Grenzstein. Rollenbücher bestellt. Rollen verteilt, geübt - wir hatten ja schon einige Theater-Erfahrung. Und wir hatten Erfolg. Das Stück wurde einige Male aufgeführt und wir hatten wieder Geld in der Kasse. Die Suche nach einem Unternehmer begann, der die Drainage bauen sollte. Wir fanden ihn, verlangten einen Kostenvoranschlag. Aber unser Geld reichte nicht. Kurzfristig wurde eine Mitgliederversammlung einberufen und wir fanden einen Ausweg. Die Anlieferung von Sand (die Tonrohre mussten darin verlegt werden) und das Zuwerfen der Gräben wollten wir in Fjgenarbeit übernehmen. Eine ganz Reihe von Mitgliedern wollte mitmachen und Willi Bostelmann war nicht nur einverstanden, daß wir den Abhang des Voßbargs abtrugen, er stellte uns auch noch Pferd und Wagen für den Transport zur Verfügung. Fritz Marks erklärte sich bereit, noch einmal mit dem Unternehmer zu verhandeln.
An einem Turnabend erschien Fritz Marks mit einem neuen Kostenvoranschlag. Er hatte bei unserem Kassierer in Erfahrung gebracht, wie viel Geld zur Verfügung stand. Wir. ca. 20 Mann, hörten sofort mit dem Turnen auf und hörten uns im Klubzimmer an. was Fritz zu berichten hatte. Ich verständigte telefonisch Hans Meyer und bat ohne die Einberufung einer neuen Versammlung um Zustimmung für das Angebot. Mir war klar, daß wir Turner sowieso die meisten Arbeiten zu leisten hatten. Aalle stimmten zu und ich wurde mit der Leitung der Arbeiten beauftragt. Schon am nächsten Tag gab ich bekannt, daß wir schnellstens mit den Vorarbeiten beginnen mussten. Treffpunkt war abends um sieben bei Eiostelmann. möglichst mit Spaten oder Schaufel. Ich hatte auch die Leichtathleten verständigt. So waren zur verabredeten Zeit 16 Mann gekommen. Wir begannen mit dem Abstechen der Grassoden, die zwei Mann an der Seite aufstapelten. Vier Mann schaufelten eine dünnen Schicht Mutterboden ab, der ebenfalls an der Seite gelagert wurde. Am Dienstag und auch am Mittwoch haben wir weiter gemacht und hatten bald 3/4 der geforderten Länge aufgegraben. Am Donnerstag hatten wir unseren Turnabend und ich gab die neue Arbeitszeit bekannt. Am Sonnabend wollten wir von 16,00 bis 19,00 Uhr und am Sonntag von 8.00 Uhr bis 11.00 Uhr arbeiten. Am Freitag sprach ich einen Landwirt an und bat um überlassung eines Wagens mit einspänniger Deichsel. Als ich ihm erklärte, was wir vorhatten, gab er mir den Wagen. Willi Bostelmann hatte ein Pferd, das er uns selbstverständlich und kostenlos zur Verfügung stellte. Mit Pferd und Wagen erschien ich dann auf dem Platz. Wir konnten mit den fortfahren. Die Arbeite war nicht leicht, zumal alle Turner ja auch noch einen Arbeit hatten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber es hat uns viel Spaß gemacht.
Fritz Marks hatte bei Abschluß des Vertrages auch einen Plan bekommen, wie die Drainage laufen würde. Aus dem Höpen habe ich mir Zweige geholt. Größere Zweige markierten den Hauptkanal, kleinere Zweige die Nebenkanäle. Wir beluden einen Wagen am Voßbarg mit Sand und fuhren zum Sportplatz. Inzwischen wurde ein weiterer Wagen beladen Da wir genug Leute waren fingen wir oben am Höpen an und maßen mit dem Bandmaß, die Entfernung ab, wo der erste Nebenkanal gelegt werden sollte, und steckten dort in der Fluchtlinie des Hauptkanals einen Zweig in den Boden. Dann wurde die nächste entfernung abgemessen und wieder ein Zweig in den Boden gesteckt. So wurde weiter verfahren, bis zum Ende des Kanals. Wir mussten aufpassen, daß wir keinen Sand abluden, wo später ein Graben für die Drainage ausgehoben werden würde. Wir luden dann zwei Fuder Sand an den Nebenkanälen ab. In der Nähe des Hauptkanals , wo die Röhren größere Durchmesser als in den Nebenkanälen hatten, haben wir drei bis vier Fuhren Sand abgeladen. Wir haben an dem Sonnabend viel geschafft, und am Sonntag hatten wir um 10 Uhr genügend Sand auf den Platz gebracht. Wir haben dann den Mutterboden auf die abgegrabene Fläche geworfen und eingeebnet. An den folgenden Abenden haben wir die Grasoden mit jeweils zwei Zentimeter Abstand zwischen den einzelnen verlegt. Die Zwischenräume wurden mit Mutterboden aufgefüllt. Dadurch behielten wir Soden über, die wir dann am Abhang verlegt haben. Als der Unternehmer die Gräben für die Drainage ausgehoben und auf einer dünnen Sandschicht die Rohre verlegt hatte, begann für uns wieder die Arbeit. Wir mussten die Gräben mit Sand füllen, bis die Rohre bedeckt waren. Dann warfen wir die Gräben zu. Da es stark lehmiger Boden war, mußte kräftig gestampft werden. Da der Sand nicht verbraucht war, haben wir die Gräben mit Sand bis auf Grasnarbenhöhe aufgefüllt. Sand zeiht bekanntlich das Wasser an. Wir haben dann die Grassoden auf die Gräben gelegt, aber etwas höher als Platzhöhe. Wir mussten ja damit rechnen, daß der Boden nachsackt. Durch das Einfüllen des Sandes war natürlich Boden übrig geblieben. Diesen haben wir dann dünn über den Platz gestreute, und mit Eisenharken eingearbeitet. Die Lehmklumpen haben wir mit dem Sparten klein gestoßen und auch noch eingeharkt.



Faustball war eine der ersten Sportarten, die vom Fleestedter Turnverein angeboten wurde für Männer, aber auch für Frauen. Hier ein Foto aus dem Jahre 1928, aufgenommen bei einem Wettkampf in Fischbeck. Ergebnisse liegen aber nicht vor.

1931: Bezirksturnfest Neuenfelde

Wasser ist zum waschen da und improvisiert werden mußte nicht nur beim Bezirksturnfest 1931 in Neuenfelde. Wenn man die Wüsche auf den Sportplätzen mit heute vergleicht, mit reichlich Wasser. Duschen... Und immer dabei: Friedel Sahling (2. Foto). Ein Jahr spater trafen sich die Turnerinnen und Turner in Heimfeld, am Vahrenwinkelweg (3. Foto). Ein Jahr später in Hausbruch, bei den Reichsjugendwettkämpfen betätigte sich Friedel Sahling, wie so oft, erfolgreich als Fotograf (4. Foto).








Vorbereitung der Turner auf ein Turnfest

Freiübungen in Gruppen gehörten zu jedem Sportfest. Sie wurden von den Turnlehrern lange vorher eingeübt.
Und jeder Verein wollte natürlich etwas besonders Schönes bieten. Die Pyramide gehörte fast immer dazu, wenn Fleestedts Turner in der Nachbarschaft antraten.





Jedes Jahr ein Turnfest

Deutschland war in Turngaue aufgeteilt. Die Königreiche Bayern, Sachsen, Baden Württemberg , Großherzogtümer wie Mecklenburg, die kleinen thüringischen Staaten, sowie die preußischen Provinzen bildeten Gaue. Die Gaue wurden in Untergaue (Regierungsbezirke) mit römischen Zahlzeichen und den Städtenamen (Hannover. Ülzen, Hildesheim) versehen. Nur Stade und Lüneburg machten eine Ausnahme. Weil diese Bezirke an der Elbe lagen, wurden sie Unterelbgau ohne Stadtnamen genannt. Die Untergaue wurde noch mal unterteilt in Bezirke (Landkreise). Wir, Fleestedt, bildeten zusammen mit den Vereinen aus Harburg und Wilhelmsburg den Bezirk Harburg. In jedem Jahr fand ein Bezirksturnfest statt. Auf Delegiertenversammlungen wurde der Ort ausgewählt, in dem im kommenden Jahr das Turnfest stattfinden sollte. Auch in Fleestedt hat ein Turnfest stattgefunden. Der Ablauf war immer gleich. Am Sonnabendnachmittag wurden die Wettkämpfe im Turnen und am Sonntagvormittag die der Leichtathleten ausgetragen. Am Sonnabendabend fand ein Kommers mit anschließendem Ball statt. Am Sonntag gab es einen Festzug. Um die Teilnehmer der Vereine zu erkennen, wurden Pappschilder vor den einzelnen Gruppen getragen. Auch das hatte die Delegiertenversammlung beschlossen. Nach dem Festummarsch ging es zum Sportplatz. Die vorher festgelegten Freiübungen wurden von den Damen und Herren aller Vereine vorgeführt. Staffelläufe über 4 mal 100, 200 und 400 m wurden von den Damen, Jugendlichen und Herren gelaufen. Zwischendurch turnten die Besten der Bezirke am Barren, Reck und Pferd. Nachdem alles gelaufen war, fand die Siegerehrung statt. Jeder Sieger erhielt einen künstlichen Eichenkranz mit zwei rotweißen Schleifen. Aufgredruckt: Bezirksturnfest, der Ort und das Jahr.





Festumzug mit Namensschild, Fahne. Die Sportlerinnen und Turner schon in Wettkampfkleidung. Die Macher natürlich - wie vorgeschrieben - mit Schlips und Kragen.

1936: Das Verbot

Der Turnverein Fleestedt gehörte dem Dachverband Deutsche Turnerschaft an. Die Vorgängerin des Deutschen Turnerbundes war die älteste Organisation im Deutschen Reich auf dem Gebiet der Leibesübungen. 1868 in Weimar gegründet, gehörten dem Verband 1930 in 12863 Vereinen 1.618.792 Mitglieder an. Es war damals die größte Leibesübung-Organisation der Welt. 1935 wurde die Deutsche Turnerschaft von den Nationalsozialisten aufgelöst, die weitere Betätigung verboten. Am 29. Januar 1936 gab es die letzte Generalversammlung des Turnvereins Fleestedt. Die Spannungen mit dem Reichsbund für Leibesübungen waren nicht zu übersehen. Am 18. April 1936 wurde der Sportbetrieb beim Turnverein Fleestedt offiziell eingestellt. Zwar trafen sich Turner noch in kleinem Kreis, aber die Fortsetzung des Sportbetriebs war mit Gefahr für Freiheit und sogar Leben verboten. Auf dem Platz am Höpen blieben, wohl in der Hoffnung, daß es eines Tages mit dem Sport weitergehen würde, die Tore stehen. Auf dem Rasen weideten Schafe und Ziegen, wie es sich Willi Bostelmann im Vertrag mit dem Turnverein Fleestedt hatte festschreiben lassen.


1945 - Ein neuer Anfang

Der Krieg war endlich zu Ende. Einige Einheimische hatten sich nach Hause durchgeschlagen, andere in Fleestedt eine neue Heimat gefunden oder auch nur ein Notquartier. Nach den Entbehrungen der letzten Jahre war der Hunger groß, Hunger in jeder Beziehung, Lebenshunger. Noch galt das von den Besatzungstruppen verhängte Ausgehverbot für die Nächte. Trotzdem, in Fleestedt war der Bär los. Essen war knapp, Alkohol Mangelware - nur Musik war zu beschaffen. Und so wurde auf dem Saal von Bostelmann getanzt - nach alten Schlagern, aber auch nach Rhythmen, die von den Engländern mitgebracht worden waren.
Doch mit der Zeit und auch, weil man ja nicht jeden Tag tanzen konnte und wollte, kam der Gedanke auf: "Wir sollten doch mal Fußball spielen!" Voraussetzungen waren gegeben. Der Platz des Fleestedter Turnvereins, der 1936 als Mitglied der Deutschen Turnerschaft von den Nazis verboten worden war, stand am Höpen zur Verfügung. Männer mit gesunden Beinen gab es noch, aber auch eine ganze Anzahl von Jünglingen war begeistert, als es darum ging, dem runden Leder nachzujagen. Ja, einen Ball konnten sich die ersten Aktiven beschaffen, mit den Fußballstiefeln sah es schlechter aus. Und so konnte es passieren, daß bei einem der ersten Spiele Willi Schoof mit langen Stiefeln ins Tor gestellt wurde. Kein Wunder, daß er dann mindestens einmal am Ball vorbei trat...
Doch das ist vorweggenommen. Vorher gab es jedoch zwei Spiele - von denen die Ur-Alten berichteten. Gegen den SV Roland, den Männern von der berüchtigten Rönneburger Steinschlucht, gab es eine 0:17-Niederlage. Und kurze Zeit später wurde gegen Reichsbahn Viktoria Harburg, an der Winsener Straße zu Hause, 0:15 vergeigt.
Das aber waren Spiele die vor der Vereinsgründung, besser gesagt, vor der Wiedergründung ausgetragen wurden.
Doch irgendwann im Oktober 1945, das genaue Datum konnte bis heute nicht festgestellt werden, schritten 32 Mann zur Tat. Sie trafen sich in der Gastwirtschaft von Willi Bostelmann und beschlossen, den Fleestedter Sportverein wieder zum Leben zu erwecken. Als Fußball-Verein zunächst. Mit Friedel Sahling aber war ein alter Turner dabei - und so erzählten mir Gründungsmitglieder - war er zusammen mit Willi Bostelmann einer der Wortführer. Eine Frau war bei der Gründungsversammlung nicht dabei. Hans Delissen meldete seinen Sohn Arnold als Mitglied mit an. Er war noch nicht aus dem Krieg zurück. Der Vater wusste nicht, daß er seinen Sohn nie wieder sehen würde. Willi Bostelmann meldete seinen Sohn ebenfalls an. So stehen auf der Gründungsurkunde (sie ist bis heute nicht gefunden worden) 34 Namen. Als Gründungsmitglieder konnten ermittelt werden (neben den schon Erwähnten) Peter Aldag, Karl Behm, Hermann "Manne" Dreyer, Willi und Walter Färber, Erwin und Helmut Flügge, Günther Frontzek, Kuno und Willi Hammerschmidt, Heinz Heitmann, Teddy Giesicke, Erich und Ernst Rudoff, Karl Sauthof, Ludwig Scheunemann, Walter Treder (er der Älteste, war schon über 40!), Willi Wichmann.
Willi Wichmann wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. "Er hatte Zeit, er war bei den Besatzungstruppen in der Küche beschäftigt, im Hotel Europäischer Hof am Hamburger Hauptbahnhof," erinnern sich einige Alte. "Er war einer der größten Schwarzhändler, konnte uns ewig Hungrige immer mit Essbarem versorgen. Später ging er zur Polizei." Am Sonntag wurde vormittags Handball, am Nachmittag Fußball gespielt. Es gab eine ganze Reihe von Aktiven (Helmut und Karl Schröder, Erich und Ernst Heitmann u.a.) die in beiden Disziplinen antraten.
Über den Platz wurde nicht geredet. Er gehörte Willi Bostelmann und der stellte ihn selbstverständlich dem Verein zur Verfügung. Kostenlos natürlich. Schließlich war Bostelmann immer einer der Männer, die für den Turn- und Sportverein (TuS Fleestedt) da waren. Daß Bostelmann das Vereinslokal des TuS war versteht sich von selbst. Und blieb es über Jahrzehnte.


1945/46: Start in der B-Klasse

In der Klasseneinteilung des Hamburger Fußball-Verbandes für die Spielzeit 1945/46 taucht Fleestedt nicht auf. In Hamburg waren Qualifikationsspiele - schon 1945 - ausgetragen worden.
Fleestedt war nicht dabei, kam später dazu, und in der Abschlusstabelle der B-Klasse (4. Liga) taucht der Verein auf.

1. Jahn Wilhelmsburg
2. Neuhof
3. FSV Harburg
4. Fortuna Neugraben
5. Bostelbek
6. Moorburg
7. Reichsbahn
8. TuS Fleestedt
9. Altenwerder

Auf dem vorletzten Platz. Allerdings bietet die Tabelle (aus "100 Jahre Fußball in Hamburg", eine Fundgrube für Fans und Statistiker) ein falsches Bild. Immer wieder wurden Spiele abgesagt, weil ein Verein keine Mannschaft auf die Beine bringen konnte, wegen des Wetters oder weil ein Platz nicht freigegeben wurde. In der Saison 1946/47 war die weiteste Fahrt nach Neuenfelde. Das Punktspiel-Programm wurde korrekt abgewickelt, erinnert sich Heinz Müller, einer der Männer der ersten Stunde.



"Zwei Mannschaften mussten gemeldet werden, die "Erste" und die Reserve. Und da oft nicht genügend Spieler zur Verfügung standen, spielten einige der Aktiven zweimal volle 90 Minuten. Auswechslungen gab es damals noch nicht."
Trainiert wurde jeden Tag. Und wenn wegen des Wetters nicht auf dem Platz geübt werden konnte, ging es zu Bostelmann in den Saal. Willi stand dann, die unvermeidliche Pfeife im Mund, an der Seite, und sah zu, wie die Umrandung der Bühne zerschossen wurde. Dort spielten an Tanzabenden die Kapellen. In Bostelmanns Stube zogen sich die Spieler um, und wenn es ans Bezahlen ging, konnte man von Willi schon mal hören: "Leg das Geld man in die Kasse mien Jung", aber der große Gönner des Vereins sagte auch mal: "Stell Dich ne Weile hinter den Tresen, wir wollen schnell eine Kuh schlachten. "Es war sicher nicht nur eine Kuh die als Schlachtopfer für den Fußball herhalten mußte. Denn sogenannte Reisemannschaften - wie auch die des HSV mit dem legendären Heinz "Spund" Spundflasche - machten gern Station beim Sportverein in Fleestedt. Zu einem Spiel mit dieser Mannschaft, zu der als knallharter Verhandlungspartner "Old Erwin", der Vater von "Uns Uwe Seeler" gehörte, kam es aber nie. Doch den Namen Fleestedt kannten etliche der einstigen HSV-Größen. Ach so, es gab auch Polizei in Fleestedt. Ein einziger Gendarm war damals das Auge des Gesetzes. Ob er zumindest auf einem Auge blind war?
Zeitzeugen wollen Mecker - so hieß der Mann - als einen klugen Mann in der Erinnerung haben. Er wusste angeblich genau, was in seinem Dorf los war. Aber auch ein Polizist, der auch unter den Nachwirkungen des großen Krieges litt, hatte Hunger. Und einen Schnaps trank er auch ganz gern. Und da war er natürlich in Fleestedt an der richtigen Quelle.
Denn geizig waren die Fleestedter, wenn es um ihren Vorteil ging, eigentlich nie.

Oft sprachen die Fäuste

Es gab eine Erbfeindschaft zwischen den Fleestedtern auf der einen und den Anhängern und Spielern von Roland und Reichsbahn auf der anderen Seite. Das Ergebnis: Es verging nicht ein Tanzabend in Fleestedt, der nicht als Einlage eine zünftige Schlägerei hatte. So auch, als Willi Wichmann (er musste abends immer noch mit der Kapelle abrechnen) kurz vor dem Zapfenstreich zu einem Tanz für die Aktiven aufrief. Gemeint waren allerdings nur die Fleestedter. Die Viktorianer fühlten sich brüskiert, gingen ebenfalls auf die Tanzfläche. Wichmann griff ein und verlor einen Ärmel seines Jacketts. "Sieh zu, daß Du verschwindest", wurde Wichmann empfohlen. Er tat es wohl nicht schnell genug. Jedenfalls wurde er von den Reichsbahnern (oder waren es die Rönneburger) erwischt. Sie spielten Punchingball mit ihm. Was er gemerkt hat? Ein paar Schnäpse - es gab damals wenig zu essen - betäubten auch den stärksten Mann. Wichmann schlief dann einige Stunden bei Bostelmann und wurde gegen elf Uhr auf dem Sportplatz am Torpfosten gelehnt gefunden. Nur, erkannt haben ihn seine Freunde an der Kleidung. Das Gesicht war etwas "verändert".
Übrigens war das nicht die einzige kleine Differenz, die mit Blessuren endeten. Einmal, als wieder die "besten Freunde" der Fleestedter erschienen waren erlitt Oma Bostelmann hinter der Theke einen Rippenbruch. Besonders hoch her ging es, als die Fleestedter Veranstalter (es war der TuS) für einen Tanzabend rund 2000 Eintrittskarten verkauft hatten.
Bei einer Mark Eintrittsgeld ein gutes Geschäft. Nur, der Saal fasste höchstens 400 Personen. Bei diesem Tanzabend spielte eine damals in der Szene sehr gut bekannte Band, die "Blue Five". Die Männer mussten für den Abend vom NWDR (heute NDR) in der Rothenbaumchaussee, nahe dem HSV-Platz abgeholt werden. Willi Bostelmann stellte dafür seinen Trecker mit Anhänger zur Verfügung. Die "Blue Five" stiegen mit ihren Instrumenten auf, aber Lale Andersen, die Sängerin, die mit der Lili Marleen vor der Kaserne zu Weltruhm kam, weigerte sich, auf den Hänger zu steigen. So fand der Abend ohne Lale statt. Übrigens hatte der TuS Fleestedt zu diesem Zeitpunkt hunderte von Mitgliedern. Denn eine Eintrittskarte für den Tanz bei Bostelmann gab es nur für den, der eine Eintrittserklärung für den TuS unterschrieb. Das Eintrittsgeld für den Verein betrug 2 Mark. Klar, daß die wenigsten Tänzer Mitglieder im TuS blieben.
Daß der Fußball in die Puschen kam ist auch ein Verdienst von Hans Delissen. Er war Drogist und aus irgendeiner dunklen Quelle war er an Dutzende von grauen Dreiecktüchern gekommen (für Armverletzte eine wichtige Stütze). Aus diesen Tüchern nühte seine Frau Trikots, die rot abgesetzt wurden. Hosen wurden aus Hakenkreuzfahnen gemacht - davon gab es in Fleestedt reichlich. Eine Fahne reichte für vier Hosen, obwohl der weiße Kreis mit dem Zackenkreuz nicht zu gebrauchen war. Fleestedts Fußballer hatten eine einheitliche Tracht. Die hatten auch jene Vereine kaum, die die Nazizeit unbeschadet überstanden hatten. Bis 1949 sollte es dauern, bis der TuS Fleestedt sich eine neue Tracht zulegte. Bei Ortlepp in Hamburg wurde sie gekauft. Rote Hosen und blaue Hemden sollten es sein, aber Ille Wenzel (später Nowek) und Ernst Rudoff, die als Einkäufer losgeschickt worden waren, wollten nicht länger warten. Blaue Jerseys waren nicht da, aber schwarze. So kam der TuS zu seinen Vereinsfarbe, die auch heute noch Bestand haben.
1946 wurde der Fußball in Fleestedt in "feste Formen" gegossen. Der TuS trat dem Hamburger Fußball-Verband (HFV) bei. Das war - Fleestedt gehörte auch damals zu Niedersachen - reine Zweckmäßigkeit. Denn die meisten der zugeteilten Gegner konnten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Und die legendäre Linie 33, die von Rönneburg quer durch Hamburg bis nach Eidelstedt fuhr, hat auch manche Fleestedter Mannschaft transportiert. Unterlagen über Fußball in Fleestedt fanden sich auch beim Hamburger Fußball-Verband. Dank an die Mitarbeiter, die auch verstaubte Akten hervorkramten. Dank an meinen alten Freund Eugen Igel, in der Geschäftsstelle des Verbandes.


Fußball 1950: Reserve böse abgestürzt

Das Leben hatte sich normalisiert. Lebensmittelkarten waren abgeschafft. Auswärtige Mannschaften kamen nicht mehr nach Fleestedt, um sich von Willi Bostelmann einen Schlag Suppe oder ein Lebervvurstbrot abzuholen. Die harte Mark regierte, auch wenn vor allem die jungen Leute davon recht wenig in der Tasche hatten. Aber der Spaß am Fußball stand im Vordergrund. Aber einige Fleestedter, wie Willi "Piepen-Willi" Bostelmann und Hans Delissen hatten immer eine lose Mark in der Tasche, um eine Runde zu schmeißen. Den Spitznamen hatte Willi Bostelmann, weil man sich ihn ohne Pfeife im Mund einfach nicht vorstellen konnte. Ja, einige gut informierte behaupteten sogar, daß Willi sogar im Bett die Pfeife im Mund hatte. Nur: Wenn es um Mannschaftsfotos ging, dann gab es einen Willi ohne Pfeife!


Fleestedts Erfolge waren "durchwachsen". Man kannte sich, die Gegner kamen gern zum Platz am Höpen, weil er gut zu erreichen war und weil die Gastgeber - wie Szenekenner zu berichten wussten - sich immer von der fairen Seite zeigten. So gab es in der Serie 1949/50 bei zehn Mannschaften einen vierten Platz, ein Jahr später bei 13 Konkurrenten reichte es zum neunten Rang. Im Spieljahr 1951/52 tauchten in den Statistiken des Hamburger Fußball-Verbandes nur drei Fleestedter Mannschaften auf- die Erste, die Reserve und die Jungmannen. Die Knaben waren verschwunden und in den Jugendklassen B und C war auch Fehlanzeige. Die Jungmannen spielten in der Klasse A 18 und belegten mit 19:20 Toren und 7:9 Punkten den 4. und damit vorletzten Platz hinter dem TSV Veddel, HTB 4. , Mannschaft, Rasensport Buxtehude (gibt es heute nicht mehr), aber vor Buchholz 08. Die l. Mannschaft mußte im ersten Spiel gegen Kondor antreten und beendete die Saison mit einem 6. Platz bei 11 Mannschaften. Böse abgestürzt aber ist in dieser Saison die Reserve. Nach 18 Spielen kam sie auf den letzten Platz, hatte ein Torverhältnis von 17:82 und l :35 Punkte. Böse Zungen behaupten sogar, daß der Gegner (wer es war, ließ sich noch nicht ergründen) nur aus Mitleid einen Punkt an die Fleestedter abgab. Oder sollte ein Willi oder ein Hans etwas nachgeholfen haben. So teuer war eine Kiste Bier 1952 ja nicht ... Zu den Reservemannschaftten noch ein Wort: Jeder Verein, der eine l. Mannschaft für den Spielbetrieb meldete, mußte auch eine Reserve melden - so die Beschlüsse des Verbandes. Und so konnte es schon mal passieren, daß jemand in der Reserve eingesetzt woirde, der direkt von Bostelmanns Biertresen auf den Platz kam. Elf Mann hatte Fleestedts Reserve 1951/52 kaum einmal zur Verfügung. Aber daß ein Spieler nach 90 Minuten in der Reserve (Auswechselungen gab es damals nicht) noch in der Ersten ran mußte, gehörte - nicht nur in Fleestedt, auch in anderen Vereinen - zu den Selbstverständlichkeiten.

1953: Streit um die Toto-Gelder

In der Saison 1953/54 spielte der TuS Fleestedt in der Staffel A5 und kam auf den 4. Platz. Die Reserve landete auf Rang 6. Kein Wunder, denn in dieser Mannschaft waren auch Spieler eingesetzt worden, die zuvor nur einige Stunden auf einem Stuhl bei Bostelmann geschlafen hatten - nach durchzechter Nacht.
Frohlocken in Fleestedt über einen Beschluß des Hamburger Fußball-Verbandes vom 29. Mai 1953. Die Staffeln der Serie 1954/55 sollten neu eingeteilt werden. Die vier Zweitplazierten der Kreisklasse sollten in die Bezirksklasse aufsteigen. Die TuS-Mannschaft war in toller Verfassung und belegte zu diesem Zeitpunkt den 2. Platz in der A4 der Kreisklasse. Die Konkurrenz war fast die gleiche wie in den Jahren zuvor: Altenwerder, Estebrügge, HNT, Kondor, Marmstorf, Moorburg, Neuland und Sinstorf. Doch in der Abschlusstabelle taucht Fleestedt nicht auf, ja, ab Anfang 1955 war der TuS aus den Ansetzungen des HFV verschwunden. Offiziell wechselte die Fußball-Abteilung des TuS im Mai 1955 vom Hamburger zum Niedersächsischen Fußball-Verband.
Es gab mehrere Gründe für den Wechsel. Zum einen ging es um Stimmen bei den Verbandstagen. Die Niedersachsen wollten die Vereine aus ihrem Bereich in ihrem Verband haben. Die Hamburger hatten nichts gegen die Randvereine, hätten sie gern bei sich behalten. Vor allem in einem Punkt schieden sich die Geister: Es ging um die Unterstützung aus dem Fußball-Toto. Die Hamburger wollten an die niedersächsischen Vereine, obwohl sie in ihren Staffeln spielten, nicht zahlen. Konter der Niedersachsen: Wer nicht in unserem Verband ist bekommt auch kein Geld. Und da die Vereine seit eh und je auf die Unterstützung durch Toto oder Kommune angewiesen sind (und mit Recht diese Unterstützung für ihre Jugendarbeit forderten), gingen die TuS-Fußballer zusammen mit einigen anderen Vereinen zurück in ihre niedersächsische Heimat. Boshafter Kommentar einiger Alter: Als es nichts zu fressen gab, da sind die Hamburger gern zu uns gekommen. Da konnten wir uns nicht vor ihnen bergen. Aber als sie dann Geld hatten, da wollten sie von uns nichts mehr wissen." Fleestedt war aber in all den kommenden Jahren eine gute Adresse für Hamburger Vereine, vor allem, als sich das Klubleben noch in den Räumen von Willi Bostelmann abspielte. Dort hatte auch ein Spielbank-Boss lange Zeit eine Zweitwohnung und ein großes Herz und eine offene Brieftische für die Fußballer. Kalli war ein gern gesehener Zuschauer und Sponsor. Aber auch um den Platz wurde der TuS beneidet, denn vor allem etliche Harburger Vereine mussten ihre Spiele auf Grand austragen. Sie kamen gern an den Höpen und Hans Delissen, dieses Fleestedter Fußbal1-Urgestein, erzählte immer wieder, daß er sich vor Nachfragen nach Freundschaftsspielen kaum bergen konnte.


Drei Mannschaften aus Fleestedt waren auch in der Serie 1952/53 beim HFV dabei. Die Erste belegte in der Staffel A5 den 4. Platz. Erholt vom Vorjahrs-Schock kam die Reserve bei 12 Mannschaften auf den 8. Rang. Die Jungmannen kamen auf einen Mittelplatz.


1945 - 1963: Helfer von der Bundeswehr

Gerd Rust, Ehrenmitglied des nach 1945 gegründeten TuS Fleestedt, erinnert sich, wie es nach 1945 wieder los ging:
In den Jahren 1945 und 46 begann auch der Druck der jüngeren Bevölkerung Fleestedts, den stillgelegten Spielbetrieb wiederzubeleben. Zunächst wurde eine Damenhandballgruppe gebildet und im Jahre 1946 zur Saison 46/47 stellte Hans Delissen die erste Fußballmannschaft auf. Mit primitivsten Mittel begann der Spielbetrieb. Doch Hans schaffte alles. Was fehlte, wurde zusammengetauscht. Verbandsmittel gegen Sportartikel. Um das Fahrproblem zu lösen, spielten wir in der Hamburger Verbandsklasse, konnten doch deren Plätze ab Harburg wieder mit der Straßenbahn bzw. Eisenbahn erreicht werden.
Für Heimspiele mußte nun ein großer Sportplatz nach Fleestedt her. Wieder war es der Vereinswirt Willi Bostelmann, der eine Lösung fand. Die gegenüber seinem Lokal liegende Pferdekoppel konnte ohne große Aufwendungen nutzbar gemacht werden. Der Platz hatte zwar den Nachteil, daß die Torwarte sich gegenseitig nicht sehen konnten, aber er war trocken und mit Gras bedeckt. Spielausfälle wegen Unbespielbarkeit gab es fast nicht. Im Mai 1947 kam der erste schriftliche Pachtvertrag zwischen Bostelmann und dem TuS zustande. Sogar notariell beglaubigt ohne Angabe der Pachtsumme. Dafür war aber ein Weiderecht für Kleintiere für Bostelmann festgeschrieben. Am 21.5.1957 wurde dann ein Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Fleestedt und Bostelmann mit 300 DM p.a. abgeschlossen. Auch das Weiderecht war wieder abgesichert, jetzt bis zu Schafen. Außerdem durfte die Schule (Schulzweckverband Fleestedt/Glüsingen) dem Platz mitbenutzen. Dieses führte zwischen TuS und Schule zu keinerlei Problemen, denn im Sommer war es den Lehrern zu heiß und im Winter zu kalt für den Weg zum Platz.
Die voranschreitende Entwicklung forderte eine Erweiterung der Platzanlage. Neben dem Gebäude von Bostelmann mußten Flächen von Herrn Benecke zugepachtet werden. Der Vertrag vom 5.8.1958 weist sodann eine Gesamtfläche von 186.784,5 qm zu einer Gesamtpacht an Benecke/Bostelmann von 3.087,60 DM p.a. aus. Hiervon hatte der TuS 750 DM jährlich zu tragen. Durch die Anpachtung hatten sich die unebenen Platzverhältnisse natürlich nicht geändert. Es begann also der Druck der Sportler, die Unebenheiten zu beseitigen. Abhilfe sollte geschaffen werden, aber dem TuS und der Gemeinde fehlte das Geld. Also mußten Wohltäter gefunden werden. Unsere damaligen Bürgermeister und Gemeindedirektor waren ehemalige Berufssoldaten (Wittwer Kompaniechef, Hinz Hauptfeldwebel). Sie beide stellten einen Kontakt zu den in Harburg stationierten Pionieren her. Eines Tages erschien Hauptfeldwebel Donner auf dem Platz und nahm eine Besichtigung vor. Was jeder mit eigenen Augen sehen konnte, daß der Platz zum Höpen hin anstieg, vermochte er offenbar mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Seine Diagnose: Wir ordnen eine Feldübung an und lassen den Platz von unseren Reserveoffizieren und Offiziersanwärtern vermessen. Nach zwei Wochen stand deren Urteil fest: Der Platz steigt zum Höpen hin um 0,5m an. Dieser Höhenunterschied muß beseitigt werden. Jetzt trat wieder Hauptfeldwebel Donner in Aktion: Schweres Gerät muß her, dann schaffen wir es in ca. zwei Wochen. Also rückten seine Soldaten an.
Und sie schafften es in zwei Wochen, den Platz in eine Vulkanlandschaft zu verwandeln und die 0,5m Boden abzuheben. Als diese Arbeit geschafft war, hieß es: Geräte abfahren. Doch nichts rührte sich, denn es hatte in der Zwischenzeit geregnet. Auf frischem Lehm ist auch für die Bundeswehr alles glatt. Befehl von Donner: Noch schwereres Gerät zur Bergung des schweren Geräts her. Als alles neu eingesäht war und zu grünen begann, beschloß der Rat Fleesedt, dem Platz einen Namen zu geben. Ergebnis vom 13.9.1960: "Platz am Höpen". Am 2.10.1969 erfolgte dann die offizielle Platzeinweihung mit Vertretern der Gemeinde, des Kreissportbundes, dessen Vorsitzender damals Otto Gellersen war, sowie von öffentlichen Vertretern. Auch vom TuS Fleestedt durften einige dabei sein.



Bürgermeister Herbert Wittwer bei der Einweihung des renovierten Sportplatzes. Schützen, Fahnen, Sportler und Neugierige waren dabei. Deutlich zu erkennen das Haus von Oma Brandau. Sie lebte mit den Sportlern in Frieden, obwohl mehr als einmal ein Ball in ihren Garten flog, und einmal sogar durch ihre Fensterscheibe in eine Torte. Auch ihr Sohn Ferdinand, der das Haus später bewohnte, gab die Bälle immer wieder zurück. Selbst holen konnten die Jungs die Bälle nicht, denn Brandau hatte einen scharfen Schäferhund. Aber nie kam der Rentner auf den Gedanken den Sportverein zu verklagen, weil ein Ball Garten oder Haus traf. Das blieb einem späteren Anlieger des Sportplatzes überlassen, dessen Haus Jahrzehnte nach dem Sportplatz gebaut worden war.

Der Sportbetrieb lief wieder auf vollen Touren. Doch im Winter stellte sich immer wieder die Unbespielbarkeit des Platzes ein. Abhilfe sollte eine Drainage schaffen. Diese wurde dann auch im Sommer 1961 verlegt. Deren Erfolg ist bis heute nicht befriedigend. Der Gemeinderat glaubte jedoch, alles sei nun pudelwohl und schloß als alleinigen Besitzer mit dem TuS einen Pachtvertrag.

Leider war die Gemeinde Fleestedt zu der Zeit nicht Eigentümer des Geländes.
Hieraus sind uns aber keine Nachteile erwachsen, weil es keiner wußte.
1962 wurden die Leichtathletikanlagen gebaut. 62/63 mußte die Kanalisation quer über den Platz gelegt werden. Der Trainingsplatz war damit wieder unbrauchbar und der gesamte Platz wurde im Sommer 63 neu eingesäht. Wieder kein Spielbetrieb möglich. Aber daran waren unsere Sportler ja gewöhnt. Den jetzigen Schulsportplatz gab es damals ja noch nicht. Am 21.8.64 beschloß der Gemeinderat Fleestedt die gesamte Fläche des Sportplatzes von 19.232qm von Bostelmann/Benecke zu kaufen und damit endgültig in das Gemeindeeigentum zu überführen. Um den Platzankauf finanzieren zu können, hat die Gemeinde aus dem Harburg-Niedersachsenfond einen Zuschuß von 300.000 DM erhalten. Auflage war, daß die Fläche nur zu sportlichen Zwecken genutzt werden darf und daß der freie Blick von der B4 zum Höpen erhalten bleibt. Im Falle der Zweckentfremdung ist der Zuschuß an den Fond zurückzuzahlen. Das gilt auch heute noch und ist im Grundbuch als Schuld eingetragen. Dem TuS wurde für die alleinige Nutzung der Anlage eine monatliche Pacht von 30 DM auferlegt.
Mit der Gründung der Gemeine Seevetal ging die Anlage in deren Eigentum und Zuständigkeit über. In den folgenden Jahren wurden sodann die Flutlichtanlage und das Sportlerheim gebaut. Die unentgeldliche Benutzung des Platzes wurde uns zugestanden und die Platzpflege übernahm die Gemeinde Seevetal. Geblieben sind die schlechten Platzverhältnisse im Winter. Leider ist hier nicht mehr auf Abhilfe zu hoffen. Soweit Gerd Rust, der als Vorstandsmitglied im TuS und als Mitglied des Gemeinderates das Auf und Ab um den Platz am Höpen hautnah miterlebte.

1949 - Auch die Knaben dabei

Am 15. April 1949 erschienen zum ersten Male die HSB-(Hamburger Sport-Bund) Mitteilungen. In der Olympia-Staffel (B2) taucht auch die Spielansetzung Fleestedt - Eintracht Altona auf. Um 14.15 Uhr war die Reserve, um 16.00 Uhr die 1. Mannschaft dran. Wie das Spiel ausging, war bisher nicht zu ergründen. Aber die Abschlußtabelle liegt vor. Fleestedt belegte danach - wie zu ersehen - einen 7. Platz.
Gleich mit vier Mannschaften griff der TuS in der Serie 1949/50 in das Hamburger Fußballgeschehen ein. Mit den Herren in der Klasse A6, der Reserve (der Reserve wurden stets die gleichen Mannschaften als Punktspielgegner zugeteilt, wie den 1. Mannschaften) den Jungmannen und Knaben, denn es gab in Fleestedt sogar schon eine Knabenmannschaft. Die Jungmannen (heute würde man sie A-Jugend nennen) spielten zusammen mit Altenwerder. Bostelbek. Fischbek, FS Harburg, HNT, Moorburg, Neuhof, Rönneburg, Rasensport sowie der 2. und 3. Mannschaft des Harburger Turnerbundes zusammen. Am 22. August veröffentlichte der Hamburger Fußball-Verband die Abschlußtabellen. Die 1. Mannschaft des TuS Fleestedt belegte in der Klasse A6 einen beachtlichen 4. Platz. Einzelheiten über die Mannschaften, über Spiele und Ergebnisse sind kaum bekannt. Das Suchen in den Archiven der Zeitungen ist mühsam und zeitaufwendig. Bleibt nur die Hoffnung, daß einige der Ehemaligen, wenn sie diese Zeilen lesen, in den Erinnerungen kramen, erzählen, am besten aber aufschreiben. Denn eine Chronik ist nie ferig, sie kann immer noch ergänzt und damit verbessert werden.


Fleestedt 1. Fußball-Herren des Jahres 1949: Betreuer und Macher für alles Hans Delissen
Obere Reihe (von links) Tolle, die Gebrüder Rudolf, Korottka, Nowek und Benz.
Mittlere Reihe (von links) Henke, Sievers, Weppler.
Untere Reihe (von links) Sembritzki, Riege und Carstens.

1957: Kleiner Mann, großes Herz

Walter Lühmann erinnert sich an das Jahr 1957 und die Reise in die DDR

Nach der Aera von Hans Delissen und Alfred Carstens wurde der Spielbetrieb im TuS nur noch mäßig durchgeführt. Gespielt wurde mit zwei Herrenmannschaften. Eine Jugendabteilung gab es nicht. Dieser Zustand führte fast zum Stillstand im Vereinsleben. Es änderte sich erst wieder, als in den fünfziger Jahren Martin Gutjahr als Fußball-Obmann zur Verfügung stellte ein kleiner Mann mit großem Herzen. Mit viel Engagement, Idealismus und neuen Ideen brachte er wieder Schwung in den Verein. Ob als aktiver Spieler oder passives Mitglied - man spürte zusehends, wie der Klub wieder zu leben begann. Neben dem Punktspiel-Programm wurden nunmehr auch reichlich Freundschaftsspiele in der näheren und weiteren Umgebung ausgetragen. Es meldeten sich immer häufiger neue Spieler und auch Sympathisanten konnten als passive Mitglieder geworben werden. Der Verein begann wieder zu wachsen.
Erwähnt werden muß hier auch eine 3-Tage-Reise in die damalige DDR. Wir fuhren mit 21 Personen (Spieler, Begleiter und Damen) nach Alt Jabel - ein Dorf an der Elbe, im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Ein Bus brachte uns zum Grenzübergang Lauenburg. Hier wurden wir gründlich grenz-zolltechnisch überprüft (Ausweis, Gepäckkontrolle) und anschließend mit einem DDR-Gefährt an unseren Zielort gebracht. Untergebracht waren wir bei den Spielern des dortigen Vereins.
Einer unserer Begleiter organisierte spontan für die Dorfjugend Laufwettbewerbe. Als Preis bekamen alle teilnehmenden Kinder eine Flasche Limonade/Brause. Nach etlichen Rennen streikten die Kinder, die bisher bis zu zehn Flaschen der sogenannten Brause getrunken hatten. Das Ergebnis unseres Spiels ist nicht mehr bekannt. Mit einem gemeinsamen, harmonischen Tanzabend im Nachbarort Vielank endete dieser wunderschöne Ausflug. Die Alt Jabeler-Fußballer waren ein Jahr später unsere Gäste in Fleestedt. Zu weiteren Kontakten mit diesem Verein kam es nicht, weil 1961 von Seiten der DDR jeglicher Sportverkehr mit den Vereinen aus der BRD unerwünscht war. - Walter Lühmann


Die Fleestedter Reisegruppe bei der Abfahrt zum Freundschaftsspiel im Osten


Gefeiert wird in jedem Fall

Schuld hat Walter Schade, 1957 in den TuS Fleestedt eingetreten, und besorgt um seine schlanke Linie. So könnte man die Worte von Horst Wille, dem immer willigen Macher der Senioren-Leichathleten, im TuS deuten. Denn im TuS-Jahresheft zum 75jährigen des Vereins, schrieb er: "Den Startschuß für die Leichtathletik-Seniorengruppe hat Walter Schade gegeben, als die Turnhalle in Fleestedt gebaut wurde. Gemeinsam mit Arbeitskollegen wollte er mehr tun, um fit zu bleiben - gegen Wohlstandsspeck, für gesunden Kreislauf, weg vom bequemen Sessel im Wohnzimmer und dem Fernseher. Und schon im ersten Jahr schafften einige von den Männern der ersten Stunde die Bedingungen für das Sportabzeichen."
Horst Wille ist aber nicht nur der "Macher" der Gruppe, er ist auch ihr Chronist. Das kann der Gründer und jahrelang verantwortliche Redakteur der Vereinsschrift beurteilen. Genügte doch eine einfache Ansprache und schon lieferte Horst Wille seinen Text für das Jahresheft. Was man von vielen anderen Angesprochenen nicht sagen konnte und kann. Doch irgendwann hat auch Horst die Lust verloren oder wollte sich nicht wiederholen. Seine Texte wurden spärlicher, hörten ganz auf. Geben wir Horst Wille trotzdem jetzt das Wort und zitieren ihn aus den vielen Jahresheften, (beginnend mit dem Jahr 1986): 1967 trat die Gruppe geschlossen dem TuS Fleestedt bei. Seither treffen sich etwa 35 Männer (in der Ferienzeit sind es manchmal auch nur 20) regelmäßig einmal pro Woche, um Leichtathletik zu treiben. Sie kommen aus verschiedenen Ortsteilen Seevetals, aus Bendestorf und Harburg. Taillenweite über 100 Zentimeter ist beileibe kein Hinderungsgrund für's Training, das wir schon ernst nehmen. Keiner muß sich irgendeine Leistung abzwingen. Wer eine zusätzliche Verschnaufpause braucht, der macht sie eben. Spaß am Sport steht im Vordergrund. Einige der Männer (das Alter reicht von 30 bis 63 Jahre - das war 1987!) haben die Bedingungen für das Goldene Sportabzeichen schon mehr als ein dutzendmal erfüllt, andere freuen sich mehr auf Fußballspielen (im Sommer) oder Handball (im Winter) als Ausgleich. Die Probleme, die wir vor einigen Jahren mit der überbelegten Meckelfelder Turnhalle hatten, ließen sich nach einigen Verhandlungen lösen: Die Gemeinde Seevetal erlaubt uns die Benutzung der Maschener Halle. Dort haben wir in der kälteren Jahreszeit genug Platz. Über das Laufen, Springen, Kugelstossen und Schwimmen vergessen wir auch die fröhliche Seite nicht. Einmal im Jahr gibt es zum Freiluft-Ausklang ein kleines Sportfest mit großer Siegerehrung. Mindestens einmal im Jahr sitzen wir etwas länger gemütlich zusammen. Und am Vatertag radeln wir gern gemeinsam los. Klönschnack immer inbegriffen". Dann die immer wieder gehörte Klage: Wir brauchen Nachwuchs, wie werden immer älter und immer weniger. "Es sollte doch möglich sein, dass es einige Männer um die 40 herum in unserer Gegend gibt, die sich gern einmal in der Woche in netter Gesellschaft austoben möchten", warb Horst Wille auch 1996 und appellierte sogar an das andere Geschlecht: Also, Ihr Ehefrauen, schickt eure Männer mal los. Auch die Feste kommen bei uns nicht zu kurz". Trotzdem, ein großer Erfolg war auch dieser Aufforderung nicht beschieden. 1989 berichteten Lothar Borchers und Horst Wille von den Sport-Abzeichen-Wiederholern (ein schreckliches Wort). Horst Albrecht lag mit 33 Wiederholungen an der Spitze vor Gerd Lau (31), Artur Fichtner (30), Karl-Heinz Bachler (28), Christian Köhnke (26) und Horst Wille (26). Christian Köhnke ist nicht nur ein Mitläufer (im guten Sinne) bei den Senioren, er leitet auch die Ski-Gymnastik, immer kurz vor dem Winterurlaub, damit sich Sehnen, Gelenke und Knochen auf die rutschigen Pisten vorbereiten können. Lothar Borchers hat im Jahre 2000 noch einmal den Versuch gemacht, Mitstreiter für die Gruppe zu finden. Hat die Vorteile des Sport aufgezählt, die Erfahrungen der Medizin geschildert nach der Devise: Fit for live, forever young! Doch der Ansturm der Männer, vor allem die über 40jährigen, die etwas für ihren Körper tun sollten, blieb aus. Schade!


1971: Ehre, wem Ehre gebührt

Zu den Männern der ersten Stunde, die dem Sport wieder auf die Beine halfen, gehörte Friedel Sahling. Er trat dem Verein nicht nur bei, er übernahm auch wieder Funktionen. Mit peinlicher Sorgfalt führte er das Protokoll in Vorstandssitzungen. Seine Liebe galt nach wie vor dem Turnen, auch wenn Fußball in den ersten Jahren nach dem großen Krieg im Mittelpunkt stand. Aber der TuS Fleestedt wusste, was er seinem Friedel - für viele war er der Onkel Friedel - schuldig war. Zusammen mit Hans Marquardt (von links) und Hans Delissen (mitte) wurde Friedel Sahling 1971 zum Ehrenmitglied des TuS ernannt. Marquardt, vor allem aber Delissen, gehörten zu den Vätern des Fußballs beim TuS.


Drei Männer, die sich um den Sport verdient gemacht haben, wurden zu Ehrenmitgliedern des TuS Fleestedt ernannt: Hans Marquardt (von links), Hans Delissen und Friedel Sahling - am 1. Juli 1971.


Auf den Müll, verbrannt

Hermann Heins war 1. Schriftführer im Sportverein, und Lehrer an einer Schule in Wilhelmsburg. Er wohnte bei seinen in Fleestedt und fuhr mit dem Fahrrad nach Wilhelmsburg. Er war auch aktiv in der Leichtathletik dabei. Als er heiratete wohnte er kurze Zeit in Hinteln bei Nenndorf. Dann bekam er eine kleine Dachwohnung in Hittfeld. Er betätigtre sich auch weiter aktiv im Verein. Dann bekam er in Wilhelmsburg eine Wohnung. Als die Zeit herankam für die Jahreshauptversammlung, schrieb Fritz Becker als 2. Schriftführer die Einladungen. Sie wurden an die Mitglieder gegeben. Becker holte sich die Adresse von Hermann Heins, schickte ihm dann eine Einladung mit Begleitschreiben. Zu der Versammlung erschien Hermann Heins nicht. Fritz Becker wurde zum l. Schriftführer gewählt. Nach der Versammlung fuhr er eines Tages zu Hermann Heins, um die Vereins-Unterlagen abzuholen. Dieser erklärte ihm, daß er keine Unterlagen mehr besitze. Er hätte zu seinen Umzügen keinen freien Tag von der Schulverwaltung bekommen. Seine Frau wäre allein mit dem Möbelwagen nach Wilhelmsburg gefahren. Man hätte eine Nachbarin gegen Bezahlung gebeten, die alte Wohnung zu säubern. Wahrscheinlich habe die Frau, die die Wohnung gereinigt hätte, die Papiere, das Protokollbuch und sonstiges brennbare Material auf den Müll geworfen. Der Müll sei inzwischen schon verbrannt worden. Denn er, Hermann Heins, habe, nachdem er die Einladung zur Versammlung bekommen habe, nach den Vereinsunterlagen gesucht und vergeblich geforscht. Er vermute, daß es sich wohl wie beschrieben zugetragen habe.


Nach Fleestedt - wegen der Leberwurst

Wilstorfer Jungs hatten schon immer eine besondere Vorliebe für Fleestedt. Und fragt man den einen oder anderen, dann heißt es oft:
Ich bin auch einer von den Neu-Fleestedtern, bin erst knapp 40 Jahre hier. Eigentlich komme ich aus Harburg, bin in Wilstorf geboren. So einer ist auch Wolfgang Röhl. "Meine ersten Fußballjahre nach dem Krieg habe ich bei der Freien Sport-Vereinigung Harburg (FSV) verbracht. Ich weiß noch, wie wir in der Wilstorfer Höh, dem Vereinslokal, 1946 gesessen haben. Da war ich A-Jugendspieler..." Schuld daran, daß aus dem Wilstorfer dann doch ein Fleestedter wurde, hat auch Willi Bostelmann. "Ich kannte den Willi", erzählt Wolfgang, der mit seiner Gisela seit 1991 am Hoopter Eibdeich wohnt. "Ich war Autoschlosser in der Wilhelmstraße in Harburg, Lehrling. Dann kam Willi immer mit seinem Trecker an. Beim Kursus in der Tanzschule Wittig hörte ich dann, daß in Fleestedt auch Fußball gespielt wird. Mit zwei anderen bin ich dann dort mal aufgetaucht, wir wurden uns mit Willi schnell einig. Auch darum, weil es von Willi Bostelmann immer mal ein Leberwurstbrot gab. Denn wir als junge Kerls waren in der Vorwährungszeit doch immer hungrig."
Von den Dreien, die sich für den TuS entschieden, blieb nur Wolfgang übrig. Als Torwart begann seine Karriere in der zweiten Mannschaft. "Aber dann hat sich Heinzi Tolle verletzt und plötzlich durfte ich in der Ersten spielen, damals zusammen mit Hermann Riege und Seppl Nowek." In der Kreisliga, dem Hamburger Fußball-Verband angeschlossen, spielte der TuS. "Es war schon seltsam", erinnert sich Wolfgang. "Wurden wir Zweiter in unserer Staffel, dann stieg nur der Meister auf. Stiegen aber zwei Mannschaften auf, dann verpaßten wir den Sprung in die obere Klasse auch nur knapp. Aber nie kamen wir eine Klasse höher." Sehr zum Kummer auch von Trainer Adsche Koch, der später beim Harburger Turnerbund die Oberliga-Mannschaft trainieren sollte, die zusammen mit dem HSV, St.Pauli, Holstein Kiel, Werder und anderen großen norddeutschen Mannschaften in der damals obersten deutschen Klasse spielte. Adsche Koch, ein Fachmann. Aber nach Fleestedt kam er nur, weil es nach dem Spiel immer einen Teller warme Suppe gab.
Zehn Jahre hat Wolfgang Röhl in der ersten Mannschaft das Tor gehütet, aber nicht nur das. "Oft mußte ich auch zwei Spiele hintereinander machen. Im Vorspiel, in der Reserve, habe ich im Feld gespielt. Als Verteidiger oder auch als Rechtsaußen. (Denn damals durfte nicht ausgewechselt werden und war jemand verletzt, dann hieß es: Geh mal auf Rechtsaußen, damit ein Mann gebunden wird). Das zweite Spiel habe ich dann gleich nach der Reserve in der Ersten gemacht, dann aber als Torwart." Wasser im Knie stoppte die aktive Laufbahn von Wolfgang, der nur noch einige Male bei den Alten Herren kickte. Die schönsten Erinnerungen? "Das waren die Spiele gegen die HSV-Reisemannschaft, wenn die Star-Truppe auf die Dörfer zog. Willi Bostelmann bezahlte die Gäste immer - in Naturalien, in Wurst und Speck." 1949 hatte Wolfgang seine Gisela geheiratet, in Fleestedt hatten sie eine Wohnung gefunden. Und wieder hing es mit Bostelmann zusammen, daß Wolfgang dem Fußball nicht verloren ging. Beim Bier saßen sie zusammen, Hans Marquardt war dabei, der zweite Mann von Willi Bostelmann. "Wolfgang, Du wirst doch verrückt ohne Fußball! Mach doch was!"
Und Wolfgang machte "was". "Die D-Jugend kam gerade vom Training. Wir hatten eine Elfer- und eine Siebener-Mannschaft. Die Siebener - das waren natürlich die schwächeren Spieler. Aber dafür waren sie hervorragend gekleidet - mit englischen Trikots. Einer der Väter hatte dafür gesorgt." Was zunächst nur ein bißchen Spaß sein sollte, wurde schließlich ein Glücksfall für den TuS. 1970 übernahm Wolfgang Röhl die ller-D-Jugend des Vereins. Die Namen haben heute noch einen guten Klang, wurden doch einige hervorragende Fußballer: Dirk Fidler, Olaf Stefanides, Torsten Lehmann, Fred Weißbrich, Olaf Böhmer, Lars Rohr und auch Jörn Mecklenburg, Stefan Meyer und Arndt Meyer. In dieser Zeit wurde der Grundstein für eine Mannschaft gelegt, um die Fleestedt später von den Nachbarn beneidet wird. Es ist die Mannschaft, die den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Fleestedt - gegenüber Meckelfeld, Maschen, Hittfeld und Winsen nur ein Dorf. Aber keiner dieser angeblich so großen und starken Vereine spielte in einer so hohen Klasse. Und daß die in Fleestedt spielenden Männer keinen Pfennig kassierten, ja selbst noch jedes Jahr einen nicht kleinen Betrag in die Mannschaftskasse zahlen mußten, ist auch ein Ergebnis guter Arbeit in der Vergangenheit. Denn auch wenn das "Elf Freunde sollt ihr sein" meistens belächelt wird - in Fleestedt in den achtziger und neunziger Jahren war die Freude am Spiel, das Leben in dieser Gemeinschaft den Männern wichtiger als manche Mark, die der eine oder andere mit Sicherheit bei einem Nachbarverein hätte kassieren können. Die Zeit mit dieser Mannschaft war sicher die schönste für Wolfgang Röhl und auch für Frau Gisela. So das Freundschaftsspiel gegen Rönneburg, als Felix Magath zum ersten Mal dabei war. Und schließlich das 1:0 gegen Maschen in Hittfeld, als Felix Magath Beifall klatschte, als die Röhl-Truppe Meister der D-Jugend wurde. Schöne Reisen wurden gemacht in den Harz. Und unvergessen die Reise zu Schwarz-Weiß Essen, die Heinz Stemmer organisiert hatte, der einst in der 1. Mannschaft des Wesrvereins zusammen mit Leuten wie "Fiffi" Gerritzen spielte,und immernoch davon erzählt. "Heinz Stemmer hatte ein Prachtquartier im Vereinshaus besorgt", erinnert sich Gisela Röhl. "Wir durften auf Rasen im Stadion spielen und "Aue Strauß hat das Spiel gepfiffen." Natürlich gab es eine kleine, viel belachte Panne. "Schuld hatte Stefan Acker, der immer ein bißchen vergesslich war", wie Gisela sich erinnert. "Stefan, hast Du auch alle Deine Sachen zusammen?", wurde der Junge vor der Anfahrt gefragt. "Ja, natürlich", die Antwort. Er hatte natürlich nicht, er hatte ein Unterhemd vergessen. Also noch einmal zurück...
Und in Erinnerung bleibt auch die Fahrt ins Sauerland. "Zwei Spiele mußte unsere D-Jugend in drei Tagen austragen. Haben die Jungs mit links geschafft", so Wolfgang. "Der Clou aber war eine Schuhputzmaschine im Hotel. Da waren die Jungs mit ihren Tretern gar nicht mehr wegzubringen. So sauber waren die Dinger noch nie!"
1982 übernahm die Familie Röhl die Bewirtung im Clubhaus. Aue Strauß, der schon viele Jahre zusammen mit Wolfgang Röhl gearbeitet hatte, übernahm die 1. A-Jugend. "Ich hatte nicht mehr die Zeit, im ganzen Bezirk herumzureisen, darum habe ich die zweite A übernommen. Da mußte ich nur im Kreis reisen." Aber die Röhls waren nicht nur gute Wirte, Wolfgang war auch ein sehr guter Platzwart. "Wer wie ich so viele Jahre gespielt hat, der weiß, wie wichtig ein gepflegter Rasen ist." Die Spieler haben gar nicht gewußt, wieviel Arbeit sich Wolfgang in seiner Freizeit machte. Er tat jedenfalls mehr, als er verpflichtet war. Zu Zeiten von Günter Geschke fehlte wieder mal ein Trainer, Wolfgang Röhl sprang auch bei der Zweiten ein, pfiff ganz nebenbei etliche Spiele. Tja, und dann kam plötzlich im Jahre 1991 für viele der Schock. "Wir können gesundheitlich nicht mehr so, wie wir wollen. Wir müssen das Klubhaus abgeben. Wir haben die Chance zu unseren Kindern zu ziehen, wir werden in Zukunft in Hoopte wohnen", so die Familie Röhl.
Seit der Zeit hat Gisela nie wieder das Klubhaus betreten. "Ich kann es einfach nicht, ich würde wahrscheinlich heulen", sagte sie mir bei einem Gespräch - fünf Jahre nach dem Abschied von Fleestedt. Und Wolfgang. "Mit der Gesundheit könnte es besser sein, aber auch viel schlechter." "Und was macht der Fußball?" "Na ja, mit Enkel Torben, der in der C-Jugend bei Elbdeich spielte, war ich erst als Besucher, dann aber auch als Trainer dabei. Aber jetzt hat Torben sich eine andere Sportart ausgesucht." "Also kein Fußball mehr?" "Also kein Trainer mehr."
Volker Knuth erzählte mir im Mai 1996: "Ich hab Wolfgang Röhl getroffen. Wir haben uns lange unterhalten. Es war beim Spiel einer D-Jugend-Mannschaft in Ashausen. Sein Enkel Nils spielt bei Elbdeich..."
Das Interesse am Fußball hat Wolfgang nie verloren, aber den Weg nach Fleestedt scheute er.
Nie hat er darüber gesprochen, wer ihm wann was angetan hat. Er, der es im Leben nie leicht hatte, war ein sehr empfindsamer Mensch. Und sicher hat er auch darunter gelitten, dass die Zahl der Freunde immer kleiner wurde, und die Distanz zwischen Fleestedt und der Röhl-Wohnung an der Elbe im Zeitalter des Autos eigentlich leicht zu überbrücken war. Gisela Röhl dagegen, liebevoll von vielen "Höpen-Hexe" genannt, hatte nach wie vor ihren Freundeskreis in Fleestedt und war immer für ein Schwätzchen zu haben. Sie versorgte und betreute ihren Wolfgang, dessen Gesundheitszustand sich immer mehr verschlechterte und der viele Stunden im Rollstuhl verbringen mußte.


Zeitungsartikel aus den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 19. März 1984




Mit Ziege und Schaf

Gerhard Rust, leider früh verstorbener Ehrenvorsitzender des TuS Fleestedt, lobt besonders Hans Delissen als den Mann, der sich um den Sport verdient machte. Die Fußballer behaupten zwar, daß sie den Anfang gemacht hätten, aber die erste Mannschaft spielte in Fleestedt Handball, es waren Frauen.
"Hans Delissen war auch ein guter Organisator und als Drogist kam er an das in der Nachkriegszeit noch immer begehrte Verbandsmaterial heran. Damit tauschte er ein, was dem Sport fehlte", erzählte Gerd Rust oft und gern. Ein Problem aber konnte auch Delissen nicht lösen, denn es fehlte ein Fußballplatz.
Wieder war Willi Bostelrnann gefragt und fand die Lösung. Ihm gehörte nämlich eine Pferdekoppel seinem Lokal direkt gegenüber gelegen. "Dieses Gelände ließ sich ohne große Schwierigkeiten herrichten", so Gerd Rust. "Der Platz hatte zwar den Nachteil, daß die Torwarte sich gegenseitig nicht sehen konnten. Aber er war trocken und mit Gras bedeckt. Ausfälle wegen Unbespielbarkeit des Platzes gab es bei uns kaum."
Am 28. Mai 1947 trafen in der Kanzlei von Notar Richard Wittber, Willi Bostelrnann und als Vertreter des TuS Fleestedt Jonny Kemper zusammen. Der Vertrag wurde unterschrieben. "Eine Pachthöhe wurde nicht festgeschrieben", so Gerd Rust in seinen Erinnerungen. "Dafür ließ sich Bostelrnann aber das Weiderecht für Kleintiere auf dem Platz festschreiben." Der TuS spielte nach wie vor zusammen mit Hamburger Vereinen (Saison 1947/48) in der 5. Liga, B-Klasse. Die 2. Staffel dieser Klasse hatte 10 Vereine und Fleestedt belegte nach neun Siegen einen beachtlichen 6. Platz.
Eine Bundesliga gab es damals noch nicht, aber folgende Klassebeinteilung im Hamburger Verband: Oberliga Nord, Verbandsliga Hamburg, 1. Klasse Hamburg, A-Klasse Hamburg. B-Klasse Hamburg. 152 Vereine waren in den aufgezählten Vereinen am Punktspielbetrieb beteiligt. Dazu kamen natürlich die Reserve- und Jugendmannschaften. Übrigens: Frauen oder Mädchenmannschaften gab es natürlich nicht. Schon allein der Gedanke ließ die Gralshüter des Fußballs die Decke hoch gehen.


B-Staffel 4. Liga 1946/47
1. Bostelbek 35:16 21:3
2. Fischbek 38:14 20:4
3. Sinstorf 49:31 15:9
4. Neuenfelde 28:30 11:13
5. Fleestedt 24:36 7:17
6. Moorburg 21:38 6:18
7. Altenwerder 12:42 4:20
B-Staffel 5. Liga 1947/48
1. Niendorfer 86:24 30:6
2. Neuenfelde 87:23 27:9
3. Altenwerder 49:24 25:11
4. Moorburg 54:38 21:15
5. SC Falke 54:43 21:15
6. Fleestedt 40:45 19:17
7. Hausbruch 36:53 15:21
8. Eintracht Altona 40:75 8:28
9. Hansa 10 34:78 8:28
10. SC Hanseat 27:104 6:30


Kleine kamen groß raus

Die D-Jugend des TuS Fleested war durch ein Tor von Frank Weisbrich Staffelmeister geworden, im Spiel gegen Maschen. Felix Magath kam als Gast zum Spiel gegen Rönneburg zum Höpen. Der große Spieler fand gute Worte für die kleinen, von denen einige bald groß herauskommen sollten: Arnd und Stefan Meyer zum Beispiel, oder Lars Rohr. Jörn Mecklenburg.


Gruppenbild mit dem Gast vom HSV. Auf dem Foto von links: Magath, Lars Rohr. Dierk Fiedler, Thorsten Lehmann, Arnd Meyer, Frank Weisbrich, Olaf Hoffmann, Jörn Mecklenburg, Frank Böttcher, Günter Frobel, Olaf Böhmer, Stefan Meyer, Olaf Stefanidis. Rechts Obmann Walter Hagemann und Trainer Wolfgang Röhl.


Fleestedts "Erste", die nur knapp den Aufstieg verpasste. Aus den Bubis von einst, sind richtige Männer geworden. Fendel (oben von links), R. Schwarzat, B. Schwarzat, Lüder, Nowek, A. Meyer, St. Meyer, Mecklenburg, Gebke. Unten (von links) Winter Dudszus, Lux, Cordes, J. Schwarzat, Rohr und Göckeritz. Zur Mannschaft gehörte auch J. Fehling, der aus Heidenau gekommen war.


Fußball B-Jugend 80er Jahre

Die Mannschaft des TuS Fleestedt, die auch Meister der B-Jugend wurde. Das war der Grundstein für die großen Erfolge der Liga in den 90er Jahren.



Andre Haffke (oben, von links), Frank Weisbrich, Lars Dudzus, Christian Stein, Christian Schulze, Olaf Böhmer, Olaf Stefanidis und Wolfgang Röhl. Untere Reihe (von links) Trainer "Aue" Günter StraulJ, Torsten Lehmann, Stefan Meyer, Jörg Mecklenburg, Lars Rohr, Dirk Fiedler, Frank Böttcher und Arnd Mever.


Fußball 1988: Geschke regiert mit harter Hand

Er hatte nicht nur Freunde und machte es sich und seinen Mitmenschen oft schwer: Günter Geschke, seit 1983 Trainer der l. Mannschaft, stand (vorläufig) vor seinem letzten Jahr. Aber es war kein "Abschuß", sondern der Beruf, der den "harten Hund" zur Aufgabe seiner Arbeit beim TuS zwang. Wo Günter Geschke war, war Feuer. Knüppelhart beim Training, laut am Spielfeldrand, aber auch immer dabei, wenn gefeiert wurde. Diese gute Atmosphäre hat sicher dazu beigetragen, daß die Leistungen der l. Mannschaft immer besser wurden. Was man allerdings von der 2. Mannschaft, mit der Ersten in der Trainingsgemeinschaft (TG) nicht sagen konnte. Sie spielte in der 2. Kreisklasse und belegte einen hinteren Platz. "Das bemerkenswerte an der TG ist jedoch, daß sie in finanzieller Hinsicht völlig selbständig arbeitet,"schreibt Sven Brettschneider im TuS-Jahresheft 1988. "Schon vor einigen Jahren wurden Werbepartner aus Fleestedt und Umgebung gewonnen. Daraufhin wurde eine Stadionzeitung ins Leben gerufen. Außerdem gab es Werbeplakate und Ankündigungen der jeweiligen Heimspiele. Die daraus erzielten Einnahmen dienten zur Abdeckung der Kosten der TG, wie Fahrgeld (bis zu 250 km) zu den Auswärtsspielen, Schiedsrichter und Wäschegeld, Abteilungsinterna. Zusätzlich zahlt jeder Spieler zwischen 70 und 120 DM in die Mannschaftskasse. Auch die Eintrittsgelder fließen der TG zu, wobei meistens jedoch noch nicht einmal die kosten eines Spiels gedeckt werden konnten." Neben den drei Herrenmannschaften (1., 2. und 3. Herren) hat der TuS in dieser Saison auch eine Altherren-Truppe sowie zusammen mit Hittfeld ein Senioren-Team. Jugend-Obmann Peter Schönefeld meldet jeweils eine D-, E- und F-Jugend. Aber auch B- und C-Jugendliche hat der TuS, sie sind mit Hittfeld in der Spielgemeinschaft. Trainer und Betreuer, zusammen mir Rolf Heitmann, bei der F-Jugend ist Wolfgang Röhl. Ingrid Mecklenburg, die uns so früh verlassen sollte, bestand als einzige Frau unter 17 Teilnehmern die Prüfung zur Jugendbetreuerin. Nach dem Lehrgang (und prächtiger Feier mit dem so stolzen Ehemann und TuS-Förderer Gerd) sagte sie mir: "Bei der Theorie habe ich keine Schwierigkeiten gehabt und eine ganze Menge mitgenommen. Bei der Ballarbeit in der Halle dann allerdings..."
Von einem Fest, das am 1. Mai 1988 am Straßenrand gefeiert wurde, schwärmen noch heute alle, die damals dabei waren. Die "Erste hatte in Schneverdingen nicht nur ein Superspiel gezeigt, sondern auch gegen den späteren Aufsteiger 3:0 gewonnen. Auf einem Parkplatz wurde die Heimfahrt unterbrochen. Hans von Elling, dem TuS seit Jahren verbunden und als Gastwirt ein Mann vom Fach, lud Spieler, Betreuer und Schlachtenbummler zu einem Picknick im Grünen ein. Zwei Stunden wurde gefeiert, die Fortsetzung gab es dann in Fleestedt.
Noch ein Wort zu Günter Geschke. 2003, als der Absturz des Fußballs in Fleestedt bedrohliche Züge angenommen hatte, wurde der Ruf nach einem Retter laut. Die Situation: Die drei Herrenmannschaften untereinander zerstritten, Hilfe von Alt-Herrenspielern gab es kaum, beim Training drehten ein paar Unentwegte ihre Kreise. Günter Geschke ließ sich im wahrsten Sinne des Wortes breitschlagen (gegen den Protest seiner Frau Cordi) noch einmal zuzupacken. Aber das, was der Rentner Günter Geschke von sich selbst verlangte, kam bei den Spielern nicht an. Einige von den Jungs stellten sich stur, Günter ließ sich nicht verbiegen. Diejenigen, die Günter Geschke noch einmal ins Boot geholt hatten (auch ich zähle mich dazu), hatten eine falsche Entscheidung getroffen. Die Konsequenz war klar: Bei einer Besprechung im Klubhaus, wo noch einmal der Versuch gemacht wurde zu kitten, was nicht mehr zu kitten war, nahm Günter Geschke seine Sachen und verlies den Raum. Die, die ihn als Retter haben wollten, waren beschämt. Sie hatten einen guten Mann sehr weh getan, wo... (hier bricht der Bericht in der Chronik leider ab)


Ein Glücksfall für den TuS

Wenn Kuddl verteilt, dann fallen Namen wie "Korle" und "Lebba" Maaß, Heidsche, Acker David und von den Gebrüdern Kreuziger ist die Rede, von Ewald und Alli. Denn Kuddl Schwarzat, seit Jahrzehnten Bestandteil des TuS Fleestedt, hat im hinteren Winkel seines Herzens immer noch die Erinnerung an Wilstorf und Rönneburg bewahrt: An die Steinschlucht, ein Platz zwischen Rönneburg und Meckelfeld, von allen Vereinen gefürchtet, von der Wilstorfer Höh, wo er von Kindesbeinen an dem runden Leder nachjagte. 1964 machte der ehemalige Torwart der l. Herren sein letztes Spiel bei den Alten Herren. "Eigentlich hätte ich aber schon viel früher aufhören müssen, denn beim Polterabend von Ewald Kreuziger hatte ich einen schweren Unfall. Ich wollte zuhause durch ein Fenster einsteigen, aber die Leiter war morsch, ich krachte aufs Kreuz und hatte meine erste Rücken Verletzung." 1958 hatte Kuddl seine Liesel geheiratet, 1959 kam Ralf zur Welt, ein Jahr später zog die Familie Schwarzat nach Fleestedt, 1961 kam Angelika. Angelika wäre wahrscheinlich auch Fußballerin geworden - hätte es in Fleestedt eine Mannschaft gegeben. So ging sie zum Tischtennis. Vereinsmeister 1975 und 1976 ist ja was. Und daß sie mit Ehemann beim TuS eine Dauerkarte besitzt, versteht sich von selbst! "Schwarzat, Ralf, Winsener Landstraße 23, geb. am 26.3.1959, eingetreten am 1.9.1968, F (für Fußball)", steht im Mitgliederverzeichnis des TuS, das Gerhard Rust mit der für einen preußischen Beamten selbstverständlichen Gründlichkeit geführt hat. Als Torwart begann Ralf in der D-Jugend, stand auch noch bei der C im Tor und war stolz wie ein kleiner König, als er nach einem 7-Meter-Schießen in der Halle als bester Torwart des Turnieres ausgezeichnet wurde. Heinz Stemmer war der erste Trainer des inzwischen zu einem zuverlässigen Abwehrspieler herangewachsenen Ralf Schwarzat, der mit der B-Jugend in Wintermoor 1974 seinen ersten Pokal gewann. Später war es Vater Kuddl, der bei der C-Jugend als Trainer und Betreuer das Zepter schwang.

Bis in den Herrenbereich begleitete der Vater seinen Ältesten als Trainer. Dreimal konnte Ralf den Aufstieg feiern, allerdings blieb es auch ihm nicht erspart, mit der Mannschaft in eine tiefere Klasse zu rutschen. Und so gab es die schwere Stunde, als die Mannschaft von Trainer K.-H. Slottke in Over antreten mußte. Ausgerechnet Heiko Nowek, nervenstark und immer die Zuverlässigkeit in Person, verschoß einen Strafstoß. Abstieg! Ein Jahr später: Der TuS kämpft um den Aufstieg, doch das wichtige, entscheidende Tor will nicht fallen auf dem Sportplatz am Höpen. Letzte Minute: Ralf greift sich den Ball zu einem Einwurf, holt mit aller Kraft aus, das Leder landet genau auf dem Kopf von Clifford Kortylak und der macht das Tor! Der Aufstieg war geschafft, nicht zuletzt dank des zuverlässigen Abwehrspielers Ralf Schwarzat. Ralf war der Zuverlässige. Der nächste Schwarzat der - von der F-Jugend an - beim TuS in Erscheinung trat, war Bernd, auf dem Spielfeld ein "Schlitzohr", wie nicht nur sein Vater sagt. Mittelstürmer schon in der Jugend, das war der Platz den Bernd sich erarbeiten mußte. Wolfgang Röhl - dessen Verdienste um den Fußball im TuS nicht hoch genug eingeschätzt werden können - war es auch, der Kontakte nach Bremen hatte, und eine Einladung zu einem Turnier nach Hemelingen bekam. "Wo liegt Fleestedt?" wurden Bernd und seine Mitspieler geflachst. Vermutete man das Dorf am Rande Hamburgs irgendwo im Hinterwald?
Nach den Spielen hatten sich die Fleestedter Respekt verschafft, hatten auch gegen Werders B- und A-Jugend bestanden. Kein Wunder, daß Bernd, den in einem Spiel auch schon mal fünf Tore gelangen, schnell in die Kreisauswahl berufen wurde und sich auch dort durchsetzen konnte.

Geprägt hat die Spielgemeinschaft Fleestedt/Hittfeld den zweiten Schwarzat-Sohn. Zusammen mit Marinus Bester, der sich als Profi bei Werder Bremen versuchte, für die Bundesliga-Mannschaft des HSV Tore schoss und jetzt bei den Rothosen als Pressesprecher arbeitet, spielte Bernd in der Bezirksoberliga. Mannschaften aus Oldenburg und Göttingen, Hildesheim, Meppen und Wolfsburg waren die Gegner und die SG Fleestedt/Hittfeld war durchaus nicht nur Kanonenfutter.

Nahtlos wuchs Bernd in Fleestedts "Erste" hinein, hatte sich schnell einen Stammplatz erobert und gehört auch noch im 50. Jahr des organisierten Fußballs in Fleestedt zu den Leistungsträgern. Dabei schien seine Karriere 1995 ein abruptes Ende zu nehmen, ja, es bestand große Sorge, ob Bernd jemals wieder Sport treiben könne. Bei einem Kurzurlaub in Spanien, wo er einen Freund verheiraten half, erwischte es ihn an der Bandscheibe. Noch in Spanien wollte man ihn operieren, Bernd gab keine Genehmigung, wurde nach Hause geflogen (mit ungeheuren Kosten und großem Aufwand verbunden), kam hier ins Krankenhaus, in die Reha-Klinik und hat es geschafft. Auch ohne Bandscheibenoperation kann er wieder Fußball spielen und spielt gut und schlitzohrig - wie es seine Art ist - sicher noch einige Jahre. Das größte Talent der Schwarzat-Familie aber ist der jüngste Sohn, Jens. Bei Trainer Yogi Külper hat "der Lange" - wie er heute genannt wird -begonnen, kam selbstverständlich auch als einer der Leistungsträger in die Spielgemeinschaft mit Hittfeld und setzte sich auch dort durch. Sicher hat Jens auch davon profitiert, daß das Management seiner Mannschaften meistens stimmte. So, als man in Fleestedt statt Weihnachtsfeiern interessante Gegner einlud. "Wir haben dann unter Flutlicht gegen Mannschaften wie Viktoria Harburg, Rönneburg, Bramfeld und Norderstedt gespielt," erinnert sich Kuddl Schwarzat. "Kuhh" Kuhlmann, der bei der Metro beschäftigt war, hat dann Süßigkeiten organisiert und jeder Spieler, auch jeder des Gegners, bekam dann am Spieltag eine Tüte.

Hans Wieczek war Trainer der C-Jugend-Spielgemeinschaft Fleestedt/Hittfeld, ein sehr guter Schiedsrichter, der nie einen Pfennig Geld nahm, wenn er pfiff. Sein Schiedsrichtergeld floß jedes Mal in die Jugendkasse. Jens war der jüngste Schwarzat-Sohn, der sein Karriere beim TuS startete. In allen Jugend-Altersklassen wurde er in die Auswahlmannschaften berufen. Seine Stärken Er schießt beidfüssig und hart, ist schnell, ballsicher und kann ein Spiel "lesen". Schon früh wurden andere Vereine auf das Talent aufmerksam, boten Scheine auf und auch unter der Hand. Aber Jens. der sich mit Sicherheit b grroßen Vereinen durchgesetzt hätte, fühlte sich in der Fleestedter Umgebung viel zu wohl, um an einen Wechsel zu denken. Schließlich wäre die Fleestedter Jungs zu der Zeit auch berühm wegen ihrer tollen Stimmung vor allem in der dritten Halbzeit. So gab es den fast einzigartigen Fall, daß drei Brüder sechs Jahre lang zusamrm in der "Ersten" spielten, den Aufstieg in die Landesliga erkämpften und zusammen "Mannschaft des Jahres" wurden Ralf war der erste der drei Brüder, der sich von der 1. Mannschaft verabschiedete - nicht ganz freiwillig. Er zog sich einen Anriß der Achillessehne zu und mußte die Stiefel für lange Zeit an den Nagel hängen. Aber auch das war einige Zeit später schon Makulatur. Nicht nur. weil Ralf gerne Fußball spielte, er wurde auch gebraucht: Bei den Alten wurde der stämmige Abwehrspieler zu einer festen Größe. Und nich nur dort. Denn da gab es noch den Ralf-Sohn Lukas. Er konnte kaum richtig laufen, da woll er schon mit Opa Kuddl zum Sportplatz und gegen den Ball treten. Lukas spielt jetzt in der D-Jugend und nahm mit seiner Mannschaft an der Kreismeisterschaft teil. Daß Ralf als Betreuer und Trainer dabei ist. versteht sich von selbst.
Inzwischen älter geworden, fanden auch Bernd und Jens Partner und es kamen Kinder. Und für Jens gab es wieder Angebote, die er, da er inzwischen eine Familie zu versorgen hatte, nicht ausschlagen konnte. Eines Tages erschien er bei mir, damals war ich Vorsitzender des TuS, und bat um seine Freigabe. Der Lüneburger SK wollte ihn unbedingt unter Vertrag nehmen. Mit dem Vorsitzenden habe ich mich schnell geeinigt und der TuS kassierte die höchste Ablöse, die er je für einen Spieler erhalten hat: 6000,- Mark. Ein schönes Trostpflaster dafür, dass wir unseren besten Mann verloren hatten.


Eine echte Fußballer-Familie: Ralf, Jens, Bernd und Vater Kuddl Schwarzat

Aber Jens wollte unbedingt nach Lüneburg. Das Angebot war zu gut. Jens und seine Birgit haben sich in Lüneburg schnell gut eingelebt, haben inzwischen vier Kinder und von Zeit zu Zeit taucht die Familie in Fleestedt auf - gern gesehen immer, weil immer noch beliebt!

"Aber mir und auch den Jungs wäre alles nicht möglich gewesen, wenn meine Frau nicht immer mitgezogen hätte," machte Kuddl Schwarzat seiner Liesel ein Kompliment. "Sie schüttelt vielleicht den Kopf, wenn Du morgens um neun Uhr schon in Buchholz sein mußt, die Hallenleitung hast, dich ärgerst, weil es mehrere Hausmeister gibt und keiner zuständig ist." Sie hat auch keine Ehrennadel bekommen, wie Kuddl die der Sportjugend Niedersachsens für fast 20 Jahre als Trainer, Jugendbetreuer und Schiedsrichter. Übrigens als einziger bisher im TuS Fleestedt! Sie konnte auch nicht wie Kuddl das Goldene Sportabzeichen machen (fünfmal hat der es inzwischen geschafft). Aber sie war der ruhende Pol der Familie, die bei jedem Spiel am Höpen dabei war. Und sie, die Liesel, hat dann oft geschmunzelt: Weil Kuddl, wenn er kassiert und abgerechnet hatte, schlechter Laune war, weil das Spiel nicht lief, der Schiedsrichter eine Pfeife war und nach Niederlagen das Bier einfach nicht schmecken will.
Inzwischen sind die Besuche der Schwarzats auf dem Platz am Höpen seltener geworden. Das liegt auch darn, daß es einige Unstimmigkeiten gab im Zusammenhang mit einer Feier von Schwarzat-Tochter Angelika. Kommunikations-Probleme, aber auch die sklawischbürokratische Umsetzung eines Vorstandbeschlusses über die kosten bei privaten Feiern führten zu Verärgerungen, die immer noch nicht ausgestanden sind. Bleibt nur die Hoffnung, daß die Leistungen der Fleestedter Fußballer wieder besser werden. Dann wird Kuddl mit noch größerer Begeisterung die Plakate schreiben für die Heimspiele des TuS.


Fußball 1989: Frischer Wind mit Jürgen Marquardt

Die "Erste" hatte den Aufstieg knapp verpasst. Nach Jürgen Geschke kam mit Jürgen Marquardt ein neuer Trainer und frischer Wind. Der Neue hatte einen guten Ruf als Spieler und Trainer. Aber die Erfolge stellten sich nicht so schnell ein, wie es vor allem die Fans erhofften. "Leider mußte die Trainingsgemeinschaft einen Leistungsträger, der dem Ruf des Geldes folgte, an einen finanzkräftigeren Verein abgehen", heißt es in dem Bericht der l. und 2. Herren im Jahresheft 1989. Vor allem aber gelang es nicht eine schlagkräftige Stammformation zu bilden, verursacht durch Verletzungen und Ausfälle (Bundeswehr. Urlaub mit der Familie). Die Regelung, daß 1. und 2, Herren gemeinsam trainieren, wurde auch unter dem neuen Trainer aufrechterhalten. Die gute Kameradschaft war in der Vergangenheit eine der wichtigsten Voraussetzungen für gute Leistungen. Gut war auch in den anderen Herrenbereichen das Gemeinschaftsleben, auch wenn die 3. Herren beklagten, daß es zu wenige neue Leute gebe. Aber Trainer "Golo" Heinz Goiembiewski baute aus Spielern zwischen 18 und 49 Jahren immer wieder eine Mannschaft zusamrnen. Ausfahrten. Preisskat, aber auch eine Wanderwoche in Bayern (für den harten kern) standen auf dem Programm.
Dieter Menck, bekannter und nicht immer unumstrittener Fleestedter. vollbrachte ein kleines Wunder: Am 2. Dezember 1989. die Mauer stand noch, hatte jedoch schon große Löcher, holte er die Alt-Herren-Mannschaft von der TSG Post Luwigsfelde zu einem Freundschaftsspiel nach Fleestedt. Das Spiel endete bei eisiger Kälte 0:0. Bei der.Begegnung im Klubhaus war von Kälte natürlich nichts mehr zu spüren. übrigens: Dieter Menck hatte für dieses Spiel recht tief in seine 'Tasche gegriffen. Die Senioren hatten sich mit Hittfeld zu einer Spielgemeinschaft zusammen geschlossen. Mit Erfolg. denn mit einem 5:1 gegen den VFL Maschen holte die Truppe den Seevetal-Pokal. Bobby Polworth, der mit einem astreinen Hattrick an dem Sieg beteiligt war. machte den Anfang, als der Pott immer wieder gefüllt wurde. Der Tag (der sehr, sehr spät endete) war der schönste in der Geschichte der Senioren. Sagen jedenfalls die, die bei Spiel und Nachspiel dabei waren. Und dann hatte der TuS Fleestedt plötzlich auch eine Kneipenmannschaft. Sie nannte sich FC Felix, weil sie im "Bistro Felix" gegründet wurde. Sie hatte nur einige Jahre Bestand, aber Freundschaften, die sich dort entwickelt hatten, sollen Jahre überdauert haben. "Tür alle Mannschaften wind wir gerne bereit, neue Fußballer aufzunehmen." beklagte Obmann Walter Hagemann den fehlenden Nachwuchs. Wieder gab es Spielgemeinschaften mit Hittfeld. Die A-Jugend wurde sogar Herbstmeister, bei der C lief es nicht so gut. Line B-Jugend hatte der TuS nicht, aber B- E- und F-Mannschaften.
Die Mini-Bubis waren stolz und empört. Stolz. weil sie bereits Tore schießen konnten, empört über einen Erwachsenen. Wörtlich heißt es in dem Bericht der Kids:" Bei einem Spiel wäre unser Trainer beinahe von einem Fan der gegnerischen Mannschaft verhauen worden. Unser Trainer sollte gegen eine Regel verstoßen haben. Dabei hatte er uns doch nur zugerufen, was wir machen sollten. Na ja. irgendwann merken vielleicht auch die Großen, daß Fußball nur ein Spiel ist und Spaß machen soll."
zu loben ist immer wieder der Einsatz der Jugend-Trainer und der Betreuer. Altmeister HSV hatte der TuS-E-Jugend 23 Karten für das Volksparkstadion geschenkt. Trainer Frank Heine fuhr mit den 8 bis 10-jährigen los.
überhaupt gab es gute Kontakte mit dem HSV. Wolfgang Röhl hat dafür gesorgt, daß sie nicht einschliefen. Er hatte Kontakt mit Felix Magath. Das war der Mann, der in der Nationalmannschaft die genialen Pässe schlug und der mit seinem linken Hammer den großartigen Dino Zoff im Tore von Juventus Turin bezwang. Der HSV gewann mit diesem Tor den Europacup der Landesmeister.


Fußball 1990: Abschied von Gisela und Wolfgang

Er gehörte zu den Spielern der ersten Stunde (dazu an anderer Stelle mehr), war nie ein Mann der lauten Worte, war Spieler, Trainer und Betreuer der Extraklasse. Und er war ein begnadeter Automechaniker. Aus Dutzenden von Autos seiner Spieler beseitigte er die Beulen, meistens für ein Dankeschön. Wolfgang und seine Gisela, die "Höpen-Hexe" hatten Sportler, Platz und Klubhaus fest im Griff. Die Gesundheit von Wolfgang machte ihm einen Strich durch die Pläne für die Zukunft. Darum zog er sich an die Elbe zurück Dabei war 1990 ein großes Jahr für den TuS, zumindest, was die Spiele der 1. Mannschaft anbelangt. "Aussichten für 1991: Glänzend! Ziel ist der Aufstieg. Er liegt greifbar nahe." so Sven Brettschneider, Chronist der "Ersten" in seinem Jahresbericht. Mannschaft und Trainer - Jürgen Marquardt - waren ein gutes Team geworden und der TuS konnte sich verstärken. Gernot Rohrs kam vom VfL Maschen, Frank Scherwat vom HTB. Vor allem aber kam Arndt Meyer von den St.Pauli-Amateuren zurück Das bedeutete für den in der Ausbildung stehenden Verzicht. Aber die Gemeinschaft in Fleestedt war ihm wichtiger als das Geld. Eine Haltung, die Anerkennung und Nachahmer verdient!
Vorteil war auch, daß Jürgen Marquardt eine Verletzung ausgeheilt hatte und auch als Spieler zur Verfügung stand. Die Mannschaft stand oben, punktete gegen die Großen, leistete sich aber Punktverluste gegen Mannschaften aus dem unteren Drittel der Tabelle...Die sind überheblich," tönte es dann aus der Lästerecke, wo die standen, die auch heute noch immer und alles besser wissen. Einer aber, der des öfteren in die Tasche griff, zeigte wieder einmal seine Verbundenheit mit den Fleestedter Fußballern: Heinz Riggers stiftete einen ganzen Satz Trainingsanzüge.
Staunen dann über die 2. Mannschaft. Es lief, doch es war nur Strohfeuer. Dann gab es neun Niederlagen hintereinander. Das war nicht nur Pech, es lag auch an der Einstellung Ganz anders die 3. Mannschaft. Sie holte den Titel, blieb in der Rückrunde angeschlagen. Die Alten Herren gaben sich mit einem Mittelplatz zufrieden, auf dem Spielfeld. Armin Schmidt schreibt in seinem Jahresbericht: "Am Mittwoch, beim Training, werden dann die Erfahrungen vom Wochenende diskutiert, nach dem Training, am Kartentisch, bei wildesten Skatpartien kommentiert. Um 23 Uhr, wenn im Klubhaus das Licht ausgeht, haben wir ein knapp verlorenes Spiel vom Wochenende gerade noch umgebogen und mit einem Tor Vorsprung gewonnen." Ausfahrten und Weihnachtsfeier gehörten selbstverständlich zum Programm der Alten Herren.
Blamiert hat sich die Senioren-Truppe Fleestedt/Hittfeld. Freiwillig schied man aus dem Spielbetrieb aus, weil sich bei den gestandenen Männern nicht ein einziger fand, der die Organisation in die Hand nehmen wollte.
Fußballer im Jugend-Bereich sind Mangelwaren, mussten nicht nur wir, sondern auch unsere Nachbarn Hittfeld und Ramelsloh feststellen. Es blieb nichts anderes übrig, als wieder zu Spielgemeinschaften zu kommen. Bei der A-, B- und C-Jugend taten sich die drei Nachbarn zusammen. Bei der D-, E- und F-Jugend stellte der TuS nach wie vor eigenen Mannschaften, Hier zeigte sich wieder einmal, daß es genügend Spieler gibt, wenn das Umfeld stimmt. Ein Wochenend-Ausflug nach Lauenburg mit übernachtung in der Jugendherberge sowie ein Besuch beim HSV-Spiel. Ex-Nationalspieler Dietmar Jacobs stellte sich mit den Jungs dem Fotografen. Und groß war der Jubel, als der HSV 3:1 gegen Leverkusen gewann. Mit den Fleestedtern auf der Haupttribüne! Als Lohn für die Herbstmeisterschaft gab es dann von "Putzbüddel" Heiner Heitmann neue Trikots und von Optiker Maizak Trainingsanzüge. Auch eine Freizeit-Fußball-Mannschaft hatte sich gefunden. Sie nannten sich "Piazza", weil sie von einem Gastronomen unterstützt wurden. Der FC Felix, erste Freizeit-Fußball-Mannschaft im TuS, ging sogar auf Reisen - zu Traktor Belgersheim. Die Sachsen (der Ort liegt bei Leipzig) waren einige Wochen zuvor Gast in Fleestedt.


1990: Ein dorniger Weg

Rudolf Meyer, geboren am 12.8.1947, im TuS Fleestedt seit dem 1.5.1968, ist - wie seine Judo-Bilanz zeigt - ein streitbarer Geselle. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, und sein Zorn auf die, die ihm Steine in den Weg gelegt haben, als er seine Vorstellungen durchsetzen wollte, hat sich auch viele Jahre später noch nicht gelegt. Man mag mit "seiner" Chronik nicht einverstanden sein, aber jeder, der im sportlichen Leben steht, der weiß auch, dass es durchaus nicht immer nur harmonisch zugeht. Darum gehört der Meyer-Text in die TuS-Chronik, auch wenn der, dem Rudolf einiges um die Ohren haut, sich nicht mehr wehren kann. Doch über Gerd Rust und seine Verdienste um den TuS an anderer Stelle mehr. Hier die leicht gekürzten Ausführungen von Rudolf Meyer.


Gespräch am 16.02.1990 mit Herrn Haake bei der Gemeindeverwaltung Seevetal über Belegungszeiten der Turnhallen in Seevetal, und dabei insbesondere der Turnhalle an der Fleestedter Schule. Ergebnis: Alle Hallen in Seevetal seien bis über die Decke voll belegt. So sicher war ich mir da nicht.
Ich hatte gehört, dass die Hallenzeiten von Herrn Pankratz (Übungsleiter für Kinderturnen) in der Fleestedter Turnhalle am Donnerstag nicht optimal genutzt würden. Daher mein erstes Gespräch mit Herrn Gerhard Rust. Ich wollte bei der nächsten Generalversammlung den Antrag stellen, eine Judo-Abteilung zu gründen. Die erste Antwort von Herrn Rust war, dass die Generalversammlung gar nicht darüber beschließen könnte, ob eine Judo-Abteilung gegründet wird.
Herr Rust gab dann aber zu, dass Herr Pankratz umstritten sei; er würde aber immer wieder neue Mitglieder bringen. Meine Frage, wie lange die blieben, wurde nicht beantwortet. Herr Pankratz hatte montags und donnerstags Trainingszeiten.
Da wir keine intakte Sportgruppe aus der Halle vertreiben wollten, habe ich mir die Hallenbelegung in den Pankratz-Zeiten vor Ort mehrmals angesehen. Die Halle war eindeutig "frei" für eine von uns gewünschte Judo-Abteilung.
Ich fragte bei der Judo-Gruppe von Blau-Weiß Buchholz Michael Hoffmann sowie bei Eike Holtzhauer aus Todtglüsingen nach einem Trainer, nach Matten, Judo-Anzügen und was man sonst noch so braucht. Außerdem nahm ich Kontakt mit dem Niedersächsischen Judoverband in Bad Nenndorf auf. Dabei fragte ich auch nach den Kosten für Judomatten, die angeschafft werden mussten. 30% Zuschuss würde es vom Landessportbund geben. Bei Neugründung gäben auch der Kreissportbund und die Gemeinde noch Zuschüsse. Am 16.02. 1990 wurde beim TuS Fleestedt der Antrag gestellt, bei der nächsten Generalversammlung, am 5. März 1990, eine Judo-Abteilung aufzubauen. Da ich von Seiten des Vorstandes keine große Zustimmung sah, bat ich mit Schreiben vom 16.02.1990 noch um folgende Angaben: "Um einen Überblick über die derzeitige Nutzung der Fleestedter Turnhalle zu erhalten, bitten wir um eine genaue Aufstellung mit Angaben darüber:
1. wer nutzt die Halle nach Beendigung des Schulunterrichts und zwar mit genauen Angaben über
a. die einzelnen Nutzungszeiten und
b. die tatsächliche durchschnittliche Teilnehmerzahl der betreffenden Gruppen.
2. Welche Gruppen gehören davon nicht zum TuS Fleestedt ?"
Auf Wunsch von Herrn Rust habe ich mich mit ihm dann dahin verständigt, dass mein o.g. Schreiben kein förmlicher Antrag sei, sondern als Empfehlung verstanden werden sollte, der Vorstand möge sich dafür einsetzen, eine Judo-Abteilung zu gründen.
2.5.1990: Herr Rust teilt mit, dass die Halle donnerstags von 17.00 - 19.00 für Judo frei sei. Da ich nur einen Trainer für montags hatte (Marc Günther von BW Buchholz), fragte ich Herrn Rust, ob man die Montag-Zeiten von Herrn Pankratz nicht auf den Donnerstag verlegen könnte. Abgelehnt!
Am 21.6.1990 wurde im Hamburger Abendblatt - Harburger Rundschau - eine Anzeige geschaltet: "Übungsleiter gesucht. Bedarf besteht vor allem in einer neu zu gründenden Judo-Abteilung und in den Bereichen Kinderturnen."
Am 8.7.1990 wurden die Eltern der an Judo interessierten Kinder vom TuS Fleestedt angeschrieben, dass ein lizenzierter Übungsleiter - mit schwarzem Gürtel - ab September 1990, jeweils donnerstags von 17.30 - 19.00, verpflichtet werden konnte. Die Anschaffungskosten für die Matten würden ca. DM 7000,- betragen. Sobald die Mitteilungen über die Zuschüsse von der Gemeinde und vom Landessportbund vorliegen, wollte der Vorstand des TuS die endgültigen Entscheidungen treffen. Ende August 1990 waren die Matten noch nicht da. Mit Frau Margot Heick und Frau Helga Stemmer - die mich während der Gründungsphase unterstützten - habe ich dann noch einmal u.a. über die Mattenbestellungen gesprochen. Große Verwunderung - um es höflich auszudrücken.
Am 20.9.1990 teilte mir Herr Rust mit, dass die Matten zwar immer noch nicht da seien, er mir aber sagen müsste, dass der Landessportbund einen Zuschuss abgelehnt hätte. Die Mittel seien erschöpft. Er teilte mir weiterhin mit, es gäbe jetzt einen Vorstandsbeschluss, dass ein monatliches Mattengeld von DM 5,00 erhoben würde. Ich habe ihm gesagt, soweit Judo eine besonders teure Sportart sei, wäre das o.k. Ich möchte aber nicht, dass die Judo-Abteilung besonders benachteiligt würde. Das könnte ich erst prüfen, wenn ich wüsste, wie es kostenmäßig in den anderen Sportarten läuft. Er meinte, da könne ich sowieso nichts machen, da der Vorstandsbeschluss nun einmal da wäre.
Am 25. September 1990 wurden die Judo-Freunde vom TuS Fleestedt darüber informiert, dass am Donnerstag, dem 4. Oktober 1990, in der Schulsporthalle Fleestedt, um 17.15 Uhr , die erste Judo-Trainingsstunde mit Bernd Ellhoff stattfinden würde. Für die Teilnahme der Kinder am Judosport sei leider ein Unkostenbeitrag (Mattengeld) von mtl. DM 5,- je Person zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag zu entrichten.
Der 20. Oktober ist damit der Judo-Geburtstag im TuS Fleestedt.
Am 18.10.1990 schrieb der Vorstand an die Judo-Eltern: "Unsere neu gegründete Judo-Abteiling hat bei Ihren Kindern einen so großen Anklang gefunden, dass wir völlig überrascht wurden. Es ist daher im Interesse Ihrer Kinder für eine sachgerechte Ausbildung notwendig, eine Mindestaltersgrenze einzuführen... Aufnahme ab Vollendung des 7. Lebensjahres."
Am 8. November 1990 habe ich mit Herrn Rust gesprochen, nachdem Bernd Ellhoff zu einem Trainingstermin einen Trainer aus Meckelfeld mitgebracht und als Urlaubsvertreter vorgestellt hatte. Ich habe Herrn Rust gesagt, dass wir vorher gefragt werden wollten, wenn (über die Urlaubsvertretung hinaus) ein zusätzlicher Trainer eingestellt würde. Ich möchte keine Trainer aus Meckelfeld haben, deretwegen unsere Kinder ja vom Judo-Training in Meckelfeld weggegangen waren. Er meinte, es gäbe Angebot und Nachfrage. Ich bestand darauf, dass wir keine Trainer aus Meckelfeld kriegen. Herr Rust meinte dann, momentan sei ja sowieso noch kein Bedarf vorhanden. Ich meinte: Abwarten! Wenn der Zuspruch so anhält wie bisher, müssten wir evtl. auch noch weitere Zeiten in der Halle anstreben. Wenn ich nach dem Judo-Training die Belegung der Halle bei Herrn Schulz (zuständig für Volleyball-Jugend) so sähe...Was der so macht, was uns das so kostet. Ich würde Herrn Schulz beobachten. Scheinbar war da keine Kontrolle. (Der Stundensatz von Herrn Schulz soll weit über dem Durchschnitt gelegen haben, ...ohne Leistung). Herr Rust verbat sich ausdrücklich eine Beobachtung der Tätigkeiten und Hallenbelegungen von Herrn Schulz durch mich. Herr Rust teilte mir noch mit, dass er dem Vorstand in dieser Woche gesagt hatte, wie enttäuscht er von mir sei (was ich zugegebener Maßen nicht verstand). Konkretes konnte er mir allerdings auch nicht sagen.
Zu dieser Zeit waren regelmäßig über 30 Kinder im Alter zwischen 7 und 11 Jahren beim Training. Bernd Ellhoff meinte, man müsse zwei Gruppen bilden.
Am 13.11.1900 teilte Herr Rust mit, dass ich einen Artikel für die TuS-Zeitung schreiben solle. Das Foto würde Walter Wolf machen. ( Redakteur für die TuS-Zeitung, aber auf die Mitarbeit der einzelnen Abteilungen angewiesen). Nachdem wir donnerstags mehrfach vergeblich auf den Fotografen gewartet hatten, habe ich Herrn Rust am 3.12.1990 darauf angesprochen, und wollte ihm meinen Artikel über die neue Judoabteilung geben. Er meinte, die Zeitschrift wäre schon im Druck. Den Artikel hätte er geschrieben. Zu meinem vergeblichen Warten auf den Fototermin meinte er, dass er wegen des Fotos nicht mehr Druck gemacht hätte. Da es seines Erachtens ohnehin besser aussehe, wenn alle Kinder Judozeug an hätten. Also Foto im nächsten Jahr.
In dem Jahreshett "Sportliche Bilanz 1990" erschien folgender Artikel, geschrieben vom TuS-Vorsitzenden Gerhard Rust:
Judo: Das Echo war gewaltig!
In unserem letzten Jahresheft haben wir unsere Mitbürger darüber befragt, ob Interesse am
Aufbau einer Judosportgruppe besteht. Das Echo war gewaltig. Bereits auf unserer letzten
Jahreshauptversammlung wurde aus Elternkreisen energisch der Wunsch zum Ausdruck
gebracht, weniger besuchte Sportgruppen in der Turnhalle zugunsten der Gründung einer
Judo-Abteilung einzuschränken. Doch was gehört alles dazu:
Bereitstellung von Zeiten in der ohnehin voll ausgelasteten kleinen Turnhalle Fleestedt
Finden eines Übungsleiters,
Anschaffung von 64 (!) Matten für ein 8 mal 8 m Trainingsfeld - Kosten 7000 DM.
Der Verein hat alles geschafft. Seit dem 1. Oktober tummeln sich donnerstags 30 bis 35
Jugendliche von 17.15 Uhr - 18.45 Uhr in unserer Turnhalle unter der fachkundigen Leitung
des bewährten Übungsleiters (schwarzer Gürtel) Bernd Eilhoff. Da gegenwärtig die
Kapazitäten in dieser Gruppe erschöpft sind, können wir leider nicht mehr für
Neuaufnahmen werben.
Schade nur, dass wir nicht ausführlicher über die Judo-Abteilung berichten können. Aber die
Betreuer haben offensichtlich so viel mit Organisation und Planung zu tun, dass für
Schreiberei und Fotos keine Zeit blieb. Macht ein Foto doch soo viel Arbeit!
Na denn, bis zum nächsten Jahr! GeRu"

Soweit der Artikel des Vorsitzenden. Jetzt weiter mit Rudolf Meyer, dem Judo-Chronisten:
Der von Herrn Gerhard Rust geschriebene Artikel in der TuS-Zeitschrift war unverschämt.
Entsprechend habe ich am 4.1.1991 an Herrn Rust geschrieben. Man kann sich wohl vorstellen, wie ich gekocht habe. Herr Rust meinte wohl, er müsse mir noch einmal einen auswischen. Sonst ist es m.E. nicht zu verstehen. Es lief doch alles wirklich prima. Nur, weil die Idee nicht von ihm gekommen war und ich massiv auf Hallenzeiten bestanden hatte die Angriffe?
Am 14. Februar habe ich beim Vorstand des TuS beantragt, das Mattengeld herabzusetzen und Informationen über zusätzliche Umlagen bei anderen Sparten gebeten. Außerdem wollte ich Auskünfte über die Stundensätze haben, die Herrn Schulz gezahlt wurden. Letzteres konnte mir auf der Generalversammlung am 25. Februar 1991 aus Vertrauensschutzgründen nicht mitgeteilt werden.
Am 21. April 1991 konnte ich den Eltern mitteilen, dass die Fleestedter Halle ab Mai 1991 bis 20.00 Uhr zur Verfügung stehe. Wir würden zwei Trainingsgruppen bilden: Bis einschl. 9 Jahre von 15.15 - 18.30 Uhr. Ab 10 Jahre von 18.30 bis 20.00 Uhr. Ab 14. April 1994 hatten wir sogar drei Gruppen: 7 bis 9 Jahre, 10 bis 12 Jahre, ab 12 Jahre. In der ersten Gruppe hatten wir Aufnahmestopp. Doch es wurde nicht nur trainiert. 1991 gab es die erste Radtour mit den Eltern. Und 1992 gab es auf der Nordseeinsel Norderney ein Zeltlager für die Judo-Kinder.


Fußball 1991: "Wir kaufen keine Spieler!"

"Wir kämpfen um den Aufstieg. Schaffen wir das, dann müssen wir uns verstärken. Aber wir bleiben unserem Grundsatz treu: Wir werden keine Spieler kaufen, lch habe erlebt, daß am Geld schon Mannschaften zerbrochen sind oder nie richtig auf die Beine kamen." Die Zielsetzung von Jürgen Marquardt im 3. Jahr Trainer beim TuS Fleestedt. war klar. Und trotzdem reichlich optimistisch. Zwar war die 1. Mannschaft gerade Meister geworden und hatte an jenem 5. Mai 1990 den FSV Munster mit 6:1 vom Platz gefegt. Ehrenrunde und viel Feuchtigkeit. Für einige Spieler war die Fete erst am Montagabend beendet. Es hatte eine 20:0 Serie gegeben und der Vorsprung vor der Konkurrenz betrug acht Punkte. Aber es fehlte an Spielern. Denn Nachschub aus der 2. Mannschaft kam kaum, im Gegenteil. Sie hatte einige Spieler verloren und einen neuen Trainer, nach dem Abgang von Torsten Altmann, in Ewald Behr erst mit Verspätung gefunden. Zugänge aus der A-.Iugend gab es, aber zu wenig und von der Leistung her noch mit Nachholbedarf. Golo - richtig Heinz Golembiewski war mit dem Abschneiden seiner Dritten nicht zufrieden. Verletzungen, Schichtarbeit und Spielausfälle, machten ihm zu schaffen. Er uollte Schluß machen, ließ sich aber von seinen Spielern überreden. So kam er zu seinem 10. Trainerjahr -in ununterbrochener Reihenfolge - beim TuS Fleestedt. Die Alten Herren, in fast jedem Verein vor allem beim Feiern unübertroffen, machten aus dem 80. Geburtstag des TuS ein riesiges Fest. Es wird allen in Erinnerung bleiben als das feuchteste fest. Das lag nicht nur an dem Verzehr. es goß in Strömen. Trotzdem wurde jedes Spiel über die Runden gebracht, weil - wie eine Zuschauerin sagte: "Wir haben zwar Zuckerjungs, aber es sind Kerle, nicht aus Zucker." Klar?
Einzige Peinlichkeit: Ein Spieler - kein Fleestedter, war mit einer Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden und pöbelte los. Es war kein Fleestedter. Der Schieri blieb souverän, verzichtete auf seine Spesen und stiftete sie den Fußbail-Senioren. Das war ein Fleestedter. Ansonsten gab es die üblichen Klagen. Die Alten Herren und auch die Senioren suchten Mitspieler. Das galt auch für einige Jugend-Mannschaften. Wir haben kaum A-Jugendspieler in die Gemeinschaft mit Hitteld und Ramelsloh gebracht. Etwas aber nur etwas besser sieht es bei der B-Jugend aus. Schule und Beruf, aber auch andere Interessen stehen bei den Jungs mehr und mehr im Vordergrund. Von der C-Jugend an gab es keine Probleme. Es gab genügend Trainer und Betreuer. Und wer sich die 15 Namen der Spielerinnen und Spieler der F -Jugend ansah, der fand viele bekannte Namen. Fleestedts einstige Stammspieler hatten für Nachwuchs gesorgt. Rust, Hagemann, Kuhlmann, Maizak u.a. sind in Fleestedt bekannt. Zwei Neuigkeiten gab es noch zu vermelden: Die Fußball-Abteilung wurde neu organisiert: Die Spielgemeinschaft, erste und zweite Mannschaft, wird dem Vorstand direkt unterstellt. Sie arbeitet selbständig. Walter Hagemann wird dadurch entlastet. Neu sind auch Erika und Günther.


Sie haben die Nachfolge von Gisela und Wolfgang Röhl angetreten. Sie haben schnell Kontakt gefunden. Sie haben das Angebot erhöht. Und vor allem die Spieler des Liga-Kreises wurden von den beiden hinter dem Tresen ganz schön verwöhnt.


Fußball 1993: Neuer Trainer - altes Leiden

"Ich habe eine Top-Mannschaft übernommen und werde alles tun und versuchen, damit der TuS weiterhin Erfolg genießt." So hatte Trainer Stephen Pepperrell Ende 1992 geschrieben.
Aber irgendwie war der Wurm drin. Es ist müßig nach Schuldigen zu suchen, war man sich im Vorstand und auch bei den Fußball-Wissern und -Besserwissern schnell einig. Waren einigen Spielern die Erfolge zu Kopf gestiegen? Gab es im Umfeld Unstimmigkeiten? Oder lag es am Trainer, der in solchen Fällen als das schwächste Glied in der Kette gilt? Ihn auszuwechseln verspricht in vielen Fällen Erfolg. Und so kam es beim TuS Fleestedt zu dem einmaligen Schritt: Mitten in der Saison, nachdem der Vertrag mit Pepperrell kurz vorher erst verlängert worden war, kam es zur Trennung. "Das ist mir in meiner Laufbahn noch nie passiert," beklagte sich der Engländer, der bei einer Firma im Hamburger Umland für den Absatz hochprozentiger Alkoholika sorgte. Rein menschlich haben wir Stephen nichts vorzuwerfen. Er war und ist uns ein guter Kamerad, hießen dann die Worte zum Abschied.
"Trennung in gegenseitigem Einvernehmen," hieß es dann offiziell. Was Pepperrell nicht davon abhielt zu kassieren. Er hatte schließlich einen gültigen Vertrag. Leider keine Erfolge mit der Mannschaft aufzuweisen, aber kam bald wieder bei einem anderen Verein unter.
Wenn Not am Mann ist, dann sind immer wieder die Leute gefragt, die sowieso alles für Mannschaft und Verein geben. In diesem Fall war es Heiko Nowek Er stellte sich selbstverständlich zur Verfügung, sorgte für Pfiff und Spaß. Seinem Engagement ist es zu verdanken, daß es in der Serie 1993/94 nicht zum Absturz kam Heiko trat auch ins zweite Glied zurück, als - nach Vermittlung von Liga-Spieler Steffen Brauer- Hans-Jürgen Klimpki kam. Heiko übernahm die zweite Mannschaft und half dem Neuen, was dieser mehrfach deutlich zum Ausdruck brachte. Jahre später wurde immer wieder die Frage gestellt? War es ein Fehler, das TuS-Denkmal - mit seiner Zustimmung -ins zweite Glied zu versetzen? Doch es gab eine einmalige Festlegung beim TuS Fleestedt. Die Mannschaft wählt den Trainer aus, der Vorstand ist dann - wenn die Voraussetzungen stimmen - nur noch Jasager. Eine Regelung, die später aufgehoben wurde. Wobei zu sagen ist, daß Vorstands-Entscheidungen in Sachen Trainer auch nicht immer Glücksgriffe waren. Nach Pepperrells Abgang und Heikos Zwischenspiel (wobei nicht vergessen werden soll, daß im Umfeld an seiner Demontage gearbeitet worden war) wollte die Mannschaft einen erfahrenen Trainer, es sollte auch kein "Weichei" sein. Wie Vorgespräche ergaben, entsprach Hans-Jürgen Klimpki am besten den Vorstellungen der Mannschaft. Doch der Start war wieder einmal mäßig. Weil einige Spieler verspätet aus dem Urlaub kamen, Verletzungen (auch solche, die nur im Kopf vorhanden waren) und ein zu kleiner Kader sorgten dafür, daß Klimpki in seiner Bilanz zum Jahresende die Parole ausgab: "Es liegt nur an uns!" Doch neue Spieler konnte auch er nicht aus dem Hut zaubern, zumal in der Nachbarschaft des öfteren Scheine über den Tisch, aber auch unter dem Tisch, den Besitzer wechselten. "Bei uns bekommt kein Spieler auch nur einen Pfennig," trompeteten die Edelamateure in die Landschaft und bejammerten gleichzeitig, daß gute Spieler nicht an den Höpen kamen oder gar ihr Glück (und Geld) bei anderen Vereinen suchten und bekamen. Die Analyse von dem Sportlehrer Klimpki, der schon Jugendmannschaften beim HSV und FC St. Pauli trainiert hatte: Hoher Altersdurchschnitt, zuviel Harmonie bei den Alten, die es Jungen schwer macht, in den Kreis der Etablierten aufgenommen zu werden. Dicke Freundschaften und viele Gemeinsamkeiten auch im Privatleben verhindert Reibungspunkte, die in einer Wettkampfmannschaft nicht fehlen dürfen.
Tatsache ist, daß in Fleestedt zu diesem Zeitpunkt erkannt wurde, daß wir in einer Klasse gespielt hatten, die mindestens eine Nummer zu groß war. Eine Mannschaft, die sich schon in der Jugend gefunden hatte, und die viele Jahre zusammenblieb, war und ist Ausnahme.


Kindertanzen 1994: Christofer war ein Glücksfall

...Idee wurde zur Wirklichkeit," schrieb der erste Tanzmeister im TuS Fleestedt, Christofer Schöneich, in einer Bilanz des Jahres 1994. Doch bevor die Kids über das Parkett wirbeln durften, mussten Hindernisse beseitigt werden. "Schon seit längerer Zeit wurde von Mitgliedern, aber auch von Außenstehenden, der Wunsch nach Gründung einer Tanzabteilung im TuS Fleestedt geäußert," schrieb Peter Schönefeld, Vorsitzender des Vereins, am 27. September 1994 an die Fraktionen des Ortsrates Fleestedt, Beckedorf und Glüsingen. "Dem TuS ist bekannt, dass der Ortsrat nur ungern feste Zeiten auf Dauer für das Dorfgemeinschaftshaus vergibt." So war es in der Tat, und es mussten etliche Gespräche geführt werden, bis sich endlich - zähneknirschend - auch jene dem Druck der Sportler beugten, die das Haus offensichtlich lieber leer sahen, als von kleinen Tänzern belebt. Denn um Kinder ging es, als Christofer Schöneich - inspiriert von einem Turnier in Tschechien und konfrontiert mit den Haltungsschäden bei Mädchen und Jungen (beim Praktikum im Fleestedter Kindergarten) - an den TuS herantrat. Der Zuspruch in der neuen Abteilung des Vereins war enorm. Schon beim ersten Mal erschienen 30 Kinder. Der TuS forderte Nachschlag bei Zeiten im " Fleester Hoff, bekam sie und bald konnten wir drei Gruppen anbieten, altersgerecht aufgeteilt mit jeweils einer Stunde Spiel- und Spaßzeit. So jedenfalls verstanden die fünf bis 14jährigen das Tanze - in erster Linie.

Christofer und seine kleinen Tänzerinnen

Den 6. Mai 1995 hatte sich Christofer, inzwischen von den Kindern als toller Freund angenommen, zur Präsentation der Arbeit vergangener Monate ausgesucht. Seine bitteren Worte, aufgeschrieben im Jahresheft für 1995: "Niemand konnte vorhersehen, dass ich kurzfristig durch einen Magen- und Darm-Virus aus dem Programm genommen werden würde. Milchreis, günstig gekauft, aber leider schon abgelaufen, das war der Grund meines unfreiwilligen Fernbleibens bei der Veranstaltung, die wochenlanger Planung und Arbeit bedurfte." Doch mit großem Einsatz von Verwandten, Bekannten , Eltern der Tanzkinder und Freunden fand das Fest auch ohne Christofer statt. 400 Gäste waren begeistert vom "Tanz in den Frühling", der keine Eintagsfliege bleiben sollte Der Tanzmeister hat sich bei allen bedankt und natürlich auch seine bildhübsche Freundin und Tanzpartnerin Nicole nicht vergessen, die auch immer wieder dafür sorgte, dass die Ausschmückung des Saales zu einer Augenweide wurde. "Auf gute Zusammenarbeit bei der kommenden Gestaltung des Tanz in den Frühling, dem Aufbau von Erwachsenen-Tanzkreis und dem Ausrichten eines kleinen Turniers," schrieb Christofer seine Wünsche auf. Und machte auch gleich seine Sorgen öffentlich: "Der Versuch, auch unsere (vor allem männlichen Jugendlichen) dem Tanzsport näher zu bringen, scheiterte leider - sehr zum Bedauern der 13 Mädchen, die vier mal hintereinander kamen, aber schließlich einsehen mussten, dass Tango oder Rumba ohne Gegenstück keinen Spaß bringt. Unsere bestehenden beiden Tanzkreise wuchsen unaufhörlich. Während die erste Gruppe mit viel Spaß Grundkenntnisse erwirbt, sind die heißen Sohlen (neun bis zwölf Jahre) schon mit Feuereifer dabei, erste Turniertänze zu lernen.".

Christofer war inzwischen schon zu einer Institution in Fleestedt geworden. " Er wird sicher mal ein sehr guter Lehrer," schwärmte eine Mutter von dem Pädagogik- Studenten. "Er ist konsequent, versteht die Kinder und lebt ihnen gutes Benehmen vor. Ich merk das an meiner Tochter, bei der Danke und Bitte jetzt zum ständigen Wortschatz gehören. Eine ganze Weile habe ich das vermisst." Darum traf es den TuS wie ein Schock, als Christofer erklärte, dass er die Kindergruppen abgeben müsse. Den Erwachsenen blieb er erhalten. Aber neben seinem Studium war er auch ein begeisterter Turniertänzer, musste manche Stunde beim Training verbringen und nahm mit seiner Partnerin Nicole an vielen Turnieren teil. Doch mit seiner Hilfe fanden wir Eva Wartjes und ein Jahr später half der gute Kontakt des Vorsitzenden zur Presse. Wolfgang Gnädig berichtete nicht nur im Lokalteil der HAN über das Tanzen, er konnte auch seine Tochter Julia empfehlen. Sie war ausgebildete Tanzlehrerin, hatte aber auch fast nur Mädchen in ihren Gruppen "Von den größeren Mädchen haben wir uns getrennt. Mal kamen sie, mal kamen sie nicht - so geht es nicht," entschied die Neue. Sie wusste natürlich auch, wie sie die Größeren hätte interessieren können, aber Jungs konnte auch sie nicht auftreiben. Doch dann war es die Liebe, die dem TuS einen Strich durch die Rechnung machte. Julia brach ihre Zelte im Norden ab und zog in den Westen. Aber ihr lagen die Kinder am Herzen und so unterstützte sie uns auf der Suche nach einer Neuen. Anita kam und brachte es innerhalb kürzester Zeit sogar fertig, ihre Kinds für einen Auftritt beim Fleestedter Dorffest fit zu machen. "Leider hat zum 1. Januar unser Tanztrainer und Gründer der Tanzabteilung im TuS Fleestedt, Christofer Schöneich, aus beruflichen Gründen seine Tätigkeit niederlegen müssen," heißt es im Jahresheft 2001. Doch der TuS hatte wieder Glück, denn Kai Eggers kam. Seine Referenz: Im Jahr 2000m Deutscher Meister in zehn Tänzen. Jana Jensen kümmerte sich um das Umfeld. Doch wie so oft - bei a Amateuren steht der Beruf im Vordergrund. Und so gab es einige schnelle Wechsel. Auf Kai Eggers folgte Detlev Müller und er wurde jetzt abgelöst von Susannen und t Thomas Lang, während bei den Kindern Nadine Senkpiel die Vortänzerin wurde. Tanzen ist - davon sind inzwischen auch jene überzeugt, bei denen man an Stelle des Kopfes oft nur einen Fußball sah - inzwischen zu einem festen Bestandteil im großen a Angebot des TuS Fleestedt geworden. Es hat uns auch Geld gekostet, Übungsleiter waren und sind nicht immer ganz billig, müssen sie doch eine zeitraubende Ausbildung absolvieren. Aber bestätigt hat sich, was einst Hans Reip sagte, der legendäre Vorsitzendes der Hamburger Turnerschaft von 1816. Er hatte schon vor Jahrzehnten im ältesten deutschen Turnverein eine Tanzabteilung ins Leben gerufen, mit der Begründung: "Die Kinder tanzen gern. Natürlich sind es in erster Linie die Mädchen, die sich dafür interessieren. Aber sie bleiben dann meistens beim Sport und bringen dann ihre später eigenen Kinder wieder mit." Sie hatten von den Kindern gehört und gaben keine Ruhe. Im April 1996 nahm der TuS dann auch den Tanzunterricht für Erwachsene in sein Programm auf-natürlich unter der Leitung von Christofer Schöneich. Schon beim Info-Abend waren es fast 40 tanzlustige Paare, für die der Saal im "Fleester Hoff' nicht ausreichen würde. Ergebnis: Auch hier musste in Gruppen aufgeteilt werden -allerdings nicht Alter, sondern nach Können. Der "Fleester Hoff' war an jedem Sonntag - abends - fest in der Hand der Tänzer. Und noch ein Ereignis gab es: Der TuS lud ein zur "Schwarz-Roten-Nachf. Alles organisiert von der Sportler-Familie, wurde bis morgens um drei im "Fleester Hoff' gefeiert. Ein Höhepunkt: Christofer zeigte mit seiner Partnerin Nicole Tanz der Meisterklasse.


Fußball 1994: Fleestedts Edel-Amateure

Große Begeisterung bei der Zweiten, als der neue Trainer, Heiko Nowek, kam. Aber die erwarteten guten Leistungen ließen auf sich warten. Positiv jedoch, daß sich einige Spieler - Stefan Wendt, Knut Pätzold. Andre Wessel, Kai Schlüschen - für den Einsatz in der ersten empfahlen. Bei der Dritten mußte Theo aus beruflichen Gründen passen und bei den Alten gab es nicht den erwarteten Höhenflug. Es gab genügend Spieler, aber nur auf dem Papier. Einer verließ sich auf den anderen, und das besonders, wenn das Wetter nicht gut war. Aber schließlich handelt es sich zum größten Teil um Ehemänner, die auch schon Kinder hatten. Bei ihnen stand die Eamilie, gefolgt vom Beruf, im Vordergrund.
Besser sah es bei der Jugend aus. An zwei A- und einer B-Mannschaft war der TuS (Spielgemeinschaften) beteiligt. Anlaufschwierigkeiten bei der C. bei der D wurde aus zwei Mannschaften eine gebildet und die wurde prompt Staffelsieger. Die E mit gleich drei Trainern, lag in der Spitzengruppe. Mentor gab sein Wissen an die F weiter und hatte viel Hilfe bei der Organisation von den engagierten Eltern.
Noch ein paar Bemerkungen zu den gewichtigeren Spielern. Da gab es die Senioren - alle mindestens 40. Auf dem Papier 24, aber nicht ein einziges Mal konnte zweimal hintereinander mit der gleichen Mannschaft aufgelaufen werden. Lästert Kalle Brandt: "Eine neue Tracht mußte her. Die Alte wurde komischerweise immer enger." Lag es daran, daß die Devise ausgegeben wurde: Nach getaner Arbeit ein bisschen zusammensitzen, klöhnen und schnacken und die Flüssigkeit, die man ausgeschwitzt hat, in flüssiger Form wieder aufnehmen?
Noch gewichtiger war eine Truppe, die sich "Die Jungs" nannte. Sogar trainiert hat man. Beim ersten Spiel zwei Tore geschossen (über die Zahl, die eingefangen wurden, sprach man nicht) und zu einem Turnier gemeldet. In Maschen kam die mit Abstand gewichtigste Truppe des TuS Fleestedt auf einen sensationellen zweiten Platz. Haben die getönt, haben die geschluckt, haben die die Zukunft in rosigen Tönen geschildert! Nur, gesehen hat man von ihnen später nichts mehr, aber gehört. Am Tresen, wenn von glorreichen Zeiten berichtet wurde.


Fleestedts neuer Trainer H.-J. Klimpki (ganz links) mit seiner Truppe (hintere Reihe von links): Jörn Mecklenburg, Thomas Winter, Arnd Meyer, Frank Cordes, Jens Schwarzat, Wolfgang Overkamp, Gernot Röhrs, Sven Brettschneider, Rüdiger Wessel Betreuer Kurt Schwarzat. Vordere Reihe (von links): Bernd Schwarzat, Ralph Riedel, Frank Lüder, Alex Wessel, Steffen Brauer, Knut Pätzold und Frank Scherwart


Ille und Seppl - zwei mit Herz

"Wann hast Du denn mal Zeit, ich möchte mich mit Dir über alte Zeiten unterhalten, für die TuS-Chronik? Ich stell' auch ein paar Flaschen Bier kalt"
"Ich meld' mich. Aber wenn ich anfange zu erzählen, dann reichen ein paar Buddeln nicht. Dann stell lieber gleich einen ganzen Kasten Bier kalt." Und dabei grinste Seppl Nowek. Er war voller Optimismus - wie meistens. Und die Zeit konnte uns ja nicht davonlaufen... Vier Tage später kam der Anruf: "Weißt Du schon, Seppl ist tot!"


Zwei Männer, die für Erfolge beim TuS Fleestedt sorgten: Seppl Novek und Trainer Jürgen Marquardt

Das Haus am Rüstweg trägt die Handschrift des Handwerkers. Alles durchdacht, solide, mit Ausbauten, die immer dann gemacht wurden, wenn es Zeit und Geld erlaubten. Es ist das Elternhaus von Seppl (laut Geburtsurkunde Günter) Nowek. Dorthin zog er (geboren am 28. Januar 1925) schon im Jahre 1932, lernte Klempner, mußte Soldat werden und hatte Glück, daß er gleich nach Kriegsende gesund wieder nach Hause kam.
Der Rüstweg liegt auf Hamburger Gebiet, hart an der Grenze zum Landkreis Harburg. Und darum zog es den Seppl und einige Jungs zum Fußball nach Sinstorf. "Doch da haben wir uns nicht so richtig wohl gefühlt," erzählte Seppl einmal. Oder lag es vielleicht an Willi Bostelmann, den Förderer des Fußballs, der in den harten Jahren der Nachkriegszeit mit kräftiger Suppe und gut belegten Broten den jungen Kerls unter die Arme griff? Seppl war nicht der einzige, den es nach Fleestedt zog. Es kamen gleich mehrere mit. Doch er blieb, weil es ihm Spaß machte und weil er Ille kennen lernte.
Ilse Wenzel - ihre mit Bleistift geschriebene Eintrittserklärung zum TuS fand sich noch in alten Unterlagen, datiert vom 4. Januar 1946 - war 1943 in Hamburg ausgebomt worden. In einem Behelfsheim am Hittfelder Bahnhof haben wir gewohnt und in Hamburg hatte ich Handball gespielt. Mit Sport hatte es allerdings nichts zu tun, als ich Seppl kennenlernte. Ich traf ihn beim Tanzen in Hittfeld, mußte ihn aber erst einer Freundin ausspannen," erinnert sich Ille schmunzelnd noch Jahrzehnte später.
Ille spielte Handball beim TuS, war auch nicht zu überreden wieder zum HLT (Hamburger Lehrer-Turnverein) zurückzukehren. Und Seppl spielte Fußball, natürlich in der l. Mannschaft - von 1946 bis 1966. Dann wurde ihm eine kleine Statue überreicht. Das Ende der Laufbahn? Keineswegs, sie war für rund 600 Spiele, die Seppl für den TuS bestritten hatte. Was ihn aber nicht hinderte bei den Alten Herren hin und wieder als Torwart auszuhelfen. Sogar noch einmal Ende der 70er Jahre bei einem Spiel in Scharmbek gegen Pattensen. Aber die Kraft reichte doch nicht mehr so recht, und als eine der letzten Taten von Seppl wurde vermeldet, daß er einen Elfmeter verschuldet hatte... Denn zu diesem Zeitpunkt war aus dem Spieler Seppl schon der Trainer und Betreuer geworden. 1948 hatte er seine Ille geheiratet, 1951 kam Bernd zur Welt. Zehn Jahre später. Seppl hatte inzwischen bei der Firma Wille und bei Klempnermeister Alfred Carstens gearbeitet, wurde Sohn Heiko geboren und Seppl machte sich als Meister selbständig. Bernd war seit 1959 Mitglied im TuS. Die Zeit wurde knapp für den Klempnermeister, der selbst noch spielte, auch mal das Training leitete und sich natürlich auch um die Familie kümmern wollte. Aber er hatte ja seine Ille.
Und die entwickelte sich mehr und mehr zur "Mutter der Clique". Frühstück mußte ich sonntags oft für mehrere machen, denn Bernd hat nachts oft noch Freunde mit nach Hause. Volker Knuth, der ja in Hamburg wohnte, war manchmal wie ein dritter Sohn bei uns." erinnert sich Ille. Sieht man von seiner aktiven Zeit als Fußballer ab, dann kommen die schönsten Stunden für Seppl eigentlich erst, als sein zweiter Sohn, Heiko, geboren am 12.12.1961, eingetreten in den TuS am 1.1.1969, schon als blutjunger Fußballer auf sich aufmerksam machte. Die D-Jugend des TuS wurde Meister ihrer Klasse - mit Heiko als Spieler und Seppl als Trainer. Beim Turnier in Lüneburg wurde ein zweiter Platz geschafft bei Teilnehmern wie FISV, Victoria Hamburg, Werder Bremen. Für alle Jungs gab es Erbsensuppe, nur die HSV-Truppe mit Peer, dem Sohn des Weltmeisters Jupp Posipal, ging in ein Lokal zum Speisen. "Seppl, das brauchen wir nicht," so die Jungs zu ihrem Betreuer. Zehn Jahre lang, bis Heiko in die Herrenmannschaft kam, war Seppl Trainer und Betreuer der Jungs. Erlebte, daß Hansi Kremer nie aus dem Bett und Brettl Brettschneider nie richtig in die Puschen kam, überlebte Trainer wie Slottke und Frank, Römer und Urbath, Fluder, Gesehke und Marquardt.
Ilse Nowek, wie schon in ihrer Handball-Zeit, jetzt als Fußball-Zuschauerin lautstark am Spielfeldrand ("Paß auf, ich komm da gleich runter!"), war nebenbei noch Kassiererin. "Mit dem Fahrrad war ich unterwegs, um die Beiträge einzutreiben. Bei einigen, die nie Geld hatten, mußte ich dreimal kommen."

Als die Jungs zu groß, die Anforderungen an den Trainer immer grüßer wurden, zog sich Seppl zurück, wurde Betreuer. Und Ille Teeköchin. Berühmt war das Rezept und es mußte immer zwei Kassen geben. Für einige - wie Nibbel, Sohn Bernd, Uwe Rust, Muckel Schink, Werner Appel und Wolfgang Gebke - mußte es Tee mit Rum sein. Die, die aus der A-Jugend kamen wie Heiko und Ralf Schwarzat - bekamen Tee ohne.



Das Haus am Rüstweg war auch der Treffpunkt der Fußballer. Bis zu 80 Personen waren auf dem Grundstück, nicht immer zur Freude der Nachbarn. Denn die Musik dröhnte, daß die Scheiben bebten, und wenn dann die Sänger in Aktion traten, wurde es oft schon hell, wenn man sich trennte.
"Und dann waren es immer die selben Jungs, die zum Aufräumen kamen." erinnert sich Ilse Novvek. Im Garten der Noweks gab es dann auch den Schwur der Mannschaft. Nach dem verschossenen Elfmeter im letzten Spiel der Serie 1979/80 mußte der TuS absteigen. Heiko war der Sündenbock. Bei Seppl trafen sich die Jungs und beschlossen in feuchtfröhlicher Runde: "Wir machen weiter, die Mannschaft fällt nicht auseinander."
Es war ein kleiner Kreis, als Ille das erzählte, was Seppl uns sagen wollte und wollte. Kuddl Schwarzat war dabei, ein guter Sekundant, der viele Jahre gemeinsam mit Seppl den Fußballern des TuS zur Seite stand. Es war ein fröhliches Gespräch, es wurde geschmunzelt und gelacht. So wie unser Seppl, der nie ein Kind von Traurigkeit war, es sicher gern gehabt hätte. - Wo. -


Fußball: Begeisterung bei der Zweiten

Große Begeisterung bei der Zweiten, als der neue Trainer, Heiko Nowek, kam. Aber die erwarteten guten Leistungen ließen auf sich warten. Positiv jedoch, daß sich einige Spieler - Stefan Wendt, Knut Pätzold. Andre Wessel, Kai Schlüschen - für den Einsatz in der Ersten empfahlen. Bei der Dritten mußte Theo aus beruflichen Gründen passen und bei den Alten gab es nicht den erwarteten Höhenflug. Es gab genügend Spieler, aber nur auf dem Papier. Einer verließ sich auf den anderen, und das besonders, wenn das Wetter nicht gut war. Aber schließlich handelt es sich zum größten Teil um Ehemänner, die auch schon Kinder hatten. Bei ihnen stand die Eamilie, gefolgt vom Beruf, im Vordergrund. Besser sah es bei der Jugend aus. An zwei A- und einer B-Mannschaft war der TuS (Spielgemeinschaften) beteiligt. Anlaufschwierigkeiten bei der C, bei der D wurde aus zwei Mannschaften eine gebildet und die wurde prompt Staffelsieger. Die E mit gleich drei Trainern, lag in der Spitzengruppe. Mentor gab sein Wissen an die F weiter und hatte viel Hilfe bei der Organisation von den engagierten Eltern.
Noch ein paar Bemerkungen zu den gewichtigeren Spielern. Da gab es die Senioren - alle mindestens 40. Auf dem Papier 24, aber nicht ein einziges Mal konnte zweimal hintereiander mit dergleichen Mannschaft aufgelaufen werden. Lästert Kalle Brandt:."ine neue Tracht mußte her, die alte wurde komischerweise immer enger." Lag es daran, daß die Devise ausgegeben wurde: Nach getaner Arbeit ein bisschen zusammensitzen, klöhnen und schnacken und die Flüssigkeit, die man ausgeschwitzt hat, in flüssiger Form wieder aufnehmen?
Noch gewichtiger war eine Truppe, die sich "Die Jungs" nannte. Sogar trainiert hat man. Beim ersten Spiel zwei Tore geschossen (über die Zahl, die eingefangen wurden, sprach man nicht) und zu einem Turnier gemeldet. In Maschen kam die mit Abstand gewichtigste Truppe des TuS Fleestedt auf einen sensationellen zweiten Platz. Haben die getönt, haben die geschluckt, haben die die Zukunft in rosigen Tönen geschildert! Nur, gesehen hat man von ihnen später nichts mehr, aber gehört. Am Tresen, wenn von glorreichen Zeiten berichtet wurde.


Weltmeister Horst Albrecht: 50 sollen es werden!

Horst, ich suche ein Bild von Dir, am besten eines, wo Du mit einer Medaille drauf bist!" Horst druckste rum. Ich hab' gar kein Gutes, Du musst warten." Dieses Gespräch - in Kurzform wiedergegeben - führte ich, der Chronist, mit Horst Albrecht, erfolgreichster Sportler des TuS Fleestedt und Ehrenvorsitzender des Vereins, Ende Mai 2004. Ich bohrte weiter: "Horst, Du hast schon so viele Medaillen bekommen. Da muß es doch Fotos geben!" Warte ab, ich habe in diesem Jahr noch einige Wettkämpfe. Dann melde ich mich, versprochen!"
Horst Albrecht, am 19.7.1923 in Altona (gehörte damals zu Preußen) geboren, war seinen Eltern sehr teuer. Im Inflationsjahr zur Welt gekommen kostete seine Geburt sechs Millionen Mark. Einen Tag später reichte dieses Geld nur noch, um eine Handbürste zu kaufen. Seine Eltern konnten ihm trotzdem eine gute Ausbildung ermöglichen. Er brachte es zum Diplom-Ingenieur in der Elektrotechnik. 1960 - von der Post nach Harburg versetzt, inzwischen mit Ilse verheiratet, bauten die Albrechts in Fleestedt ein Haus, wo auch die drei Töchter aufwuchsen. 1964 wurde der Neubau bezogen. Bargeld hatten wir nicht viel. Mit Eigenarbeit haben wir rund 100 000 Mark gespart.
In der Schul- und Jugendzeit war er - nach eigenem Bekunden - ein eher durchschnittlicher Sportler," heißt es in der Laudatio seiner Freunde zum 80. Geburtstag von Horst. Nach dem Krieg, im zarten Alter von 3o Jahren, begann er mit der Leichtathletik, um das Sportabzeichen zu erwerben, bestritt kleinere Wettbewerbe und erreichte Leistungen (6,56 m weit, 11,7 auf 100 m) die ihn in Deutschland vielleicht auf Platz 1000 der Bestenliste gebracht hätten. Dann aber geschah es: 1989 traf Horst - so erzählte er - in einem Nationalpark im Westen der USA einen Bus mit Deutschen, die ihm sagten, sie wollten an den Senioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene teilnehmen."
Ehrgeizig war Horst schon immer, aber jetzt wollte er es wissen. 1990 Europameisterschaft in Budapest. Über WM 1991 in Turku, EM 1992 in Kristiansand, WM in Japan kam der Fleestedter zur Europameisterschaft 1994 nach Athen. Waren es vorher noch 3., 4., 6. und 8. Plätze, so begann hier der Medaillensegen: Bronze über 80 m Hürden, Silber über 100 m und im Weitsprung, Gold und damit Europameisterschaft in der 4 mal 100 m Staffel. Seine bisher wertvollste Medaille:
Silber im Zehnkampf bei der WM im australischen Brisbane.
Dazu kam die Goldene in der 4 mal 100 m Staffel. Dafür hatte der damals 78-jährige eisern trainiert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß einige Zeit zuvor Vorstandsmitglieder verständnislos mit dem Kopf geschüttelt hatten, als Horst Albrecht darum bat, einen Stab für das Springen anzuschaffen. Das Geld wurde bewilligt, aber einige taten es knurrend. Mir ist auch nicht bekannt, daß sie den Horst nach Brisbane gefeiert haben. Das taten die Leichtathleten in kleinem Kreis.
Die Bilanz am 30. August 2003, gezogen und verkündet auf der Geburtstagsfeier: Bei Weltmeisterschaften 2 mal Gold, 4 mal Silber, 1 mal Bronze, bei Europameisterschaften 7 mal Gold, 11 mal Silber, 9 mal Bronze. 10 mal Silber bei Deutschen Meisterschaften, 14 Landesmeistertitel, 41 Bezirksmeisterschaften, 50 Kreistitel, 39 mal das Goldene Sportabzeichen. Er stellte dabei einen Europarekord auf, drei deutsche Rekorde, neun Landesrekorde und 30 Kreisrekorde auf.
Anruf bei Horst Albrecht: "Stimmt es, daß Du nie Deutscher Meister geworden bist?" "Ja, in Deutschland hat es bisher immer jemand gegeben, der im entscheidenden Moment etwas besser war. Hier bei uns ist auch die Beteiligung immer groß, bei den Wettkämpfen im Ausland ist die Konkurrenz oft nicht so stark. Aber das mit dem deutschen Titel soll sich ändern. Noch in diesem Jahr. Denn die Anzahl der Teilnehmer in meiner Altersklasse nimmt immer mehr ab."
Aber die Liste ist schon jetzt, einige Monate nach der Geburtstag-Rede, überholt. Denn bei den Weltmeisterschaften der Senioren im Glaspalast von Sindelfingen räumte Horst Albrecht wieder ab. Die Goldmedaille gab es für ihn über die 60 m Hürden und auch in der goldenen 4 mal 200 m Staffel war er dabei. Dazu gab es Silber im Fünfkampfund Silber im Weitsprung. Die Siegerweite: 3,40 Meter. Horst Albrecht, das soll an dieser stelle noch einmal betont sein, stellte diese Weite mit 80 Jahren auf!
Fit wie ein Turnschuh. Das trifft zu auf den Senior, der fast jeden Donnerstag mit Turnschuh und Sportanzug im Klubhaus des TuS Fleestedt erscheint, einen Kleinigkeit ist, sein Bier -und wenn es einen Geburtstag oder eine andere Gelegenheit gibt auch mal einen Kurze zu sich nimmt. Aufgeschlossen, zuversichtlich und zumeist fröhlich. Dabei hatte es Horst Albrecht in den letzten Jahren nicht leicht. Die drei Töchter sind aus dem Haus, haben eigenen Familien. Die Alterspension von der Telekom ist mehr als ausreichend und kommt pünktlich. Es könnte alles so schön sein. Doch Frau Ilse erkrankte schwer- Parkinson. Jahreland wurde sie von Horst Albrecht und Helfern im Haus gepflegt. Doch es überstieg die Kräfte. Das Haus wrurde verkauft, betreutes Wohnen und Pflegeheim waren die nächsten Stationen. Im Jahre 2001 starb Ilse Albrecht. Horst Albrecht lebt jetzt in einer Eigentumswohnung in Hittfeld und hat sich die Möglichkeit offen gelassen, dort auch versorgt zu werden. "Ab und zu hat man seine Wehwehchen und man braucht auch für manche Dinge einfach mehr Zeit. Aber damit muß man sich abfinden," sagt Horst Albrecht in einem Gespräch mit mir. Und erzählt sofort von seinen Plänen für die kommenden Monate. Im Juni 2004 Teilnahme an den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften. "Dort will ich meinen ersten deutschen Titel holen," so der Ehrgeizige. Und mit einem leichten Grinsen: "So viel Konkurrenten in meiner Altersklasse gibt es ja nicht mehr." Im Juli stehen die Europameisterschaften in Aarhus (Dänemark) an. Die Hallen-Europameisterschaften 2005 in San Sebastian (Spanien) will Horst Albrecht auf jeden Fall noch mitnehmen. "Ich habe bisher 39 internationale Medaillen gewonnen. Mein Ziel ist es 50 zu schaffen. Wenn ich gesund bleibe, dann schaffe ich das auch", ist Horst Albrecht überzeugt. Ich auch! - wo. -


Alle Jahre wieder: Ehrung der Besten beim TuS. Horst Albrecht ist dabei und erhält entweder Pott oder Urkunde - meistens beides von Abteilungsleiter Horst Wille


Sportheimbau - es begann an der Theke (Klubhaus 3)

Die Idee kam, wie viele und oft die besten, an der Theke. Erika und Günni beschwerten sich, meist nur mit Blicken, selten mit Worten, über die Zecher, die den Durchgang zwischen Biernachschub und Klubraum versperrten. Waren es doch die besten, sprich trinkfreudigsten, die sich auf die Ellenbogen stützten, weil sie das als sichersten Halt im Leben ansahen. "Es ist einfach zu klein hier,'' so Walter W. zu fortgeschrittener Stunde." Wir müssen anbauen. Ein Wintergarten muß her, dann ist der Raum, der uns dann zur Verfügung steht, doppelt so groß." Günni spitzte die Ohren. Was er wohl dachte? An die vielen vollen Aschenbecher und leeren Gläser, die es dann abzuräumen galt?, An die vielen überstünden, die dann drin sind, wenn sich noch mehr Zecher an der größeren Theke festhalten? Günni schwieg, dachte sich seinen Teil. (Inzwischen hat er mit Erika ein Haus in Maschen gekauft. So wenig wurde wohl beim TuS nicht verdient) Nicht geschwiegen aber hat Walter H., war nicht zu bremsen. "Pah, Wintergarten. Wenn wir bauen, dann muß es was Richtiges sein. Ich habe schließlich Erfahrungen beim Bau." Die Umstehenden schwiegen, wollten Walter H. nicht widersprechen. Vielleicht, weil er tatsächlich Erfahrungen beim Bau hat (er hatte gerade eine Garage gebaut), weil er sowieso allergisch bei Widerspruch reagiert? Oder einfach nur, weil er nicht vergrämt werden sollte? Schließlich war er mit der nächsten Runde dran. Die Gespräche, an den genauen Tag kann ich mich nicht erinnern, fanden irgendwann 1995 statt. Inzwischen schreiben wir bereits 2005. Doch geben wir Wolfgang Ohrt das Wort, zitieren aus dem Jahresheft 2000.
"Der Vorstand konnte Mitte der neunziger Jahre nicht länger darüber hinweg sehen, dass das Vereinsheim für den ständig wachsenden Verein viel zu klein geworden war. Damit konnte die Notwendigkeit der Erweiterung nicht mehr bestritten werden. Mit den ersten Kostenschätzungen zwischen DM 45.000,- und DM 200.000 kamen jedoch Zweifel an der Machbarkeit des Vorhabens hoch. Es war bekannt, dass die Gemeinde Seevetal ihre Zuschüsse Neu- und Umbauten von Vereinen wegen geringerer Steuereinnahmen drastisch zurückfahren musste. Von hier also war nicht mit der gleichen Unterstützung zu rechnen wie in früheren Jahren....Nach längeren überlegungen wurde der Beschluß gefasst, eine Erweiterung muß her, die Risiken müssen und können vom Verein getragen werden. So wurde auf Vorschlag des Vorstandes der Bau der Erweiterung durch die Generalversammlung am 1.3.1996 gebilligt und der Vorstand beauftragt, eine konkrete Planung und Kostenschätzung zu erstelllen... Wir mussten insgesamt ca. DM 210 000 aufbringen, der Erweiterungsbau musste zügig abgewickelt werden, die Gemeinde beteiligt sich mit 35% an den Kosten, höchstens mit 73 500 DM, die Beiträge durften nicht erhöht werden, der Sportbetrieb darf nicht eingeschränkt oder behindert werden.
Die Baukosten konnte der Verein nicht alleine schultern. Ein Blick auf unsere Vermögenssituation wies ein Guthaben von 70.000 DM aus. Dann aber ging es Schlag auf Schlag. Mit dem Baubeginn begannen die Zahlungen für die Bauleistungen, und dann zeigte sich eine großartige Unterstützung durch Mitglieder, Sponsoren und Baufirmen. Die ersten Ausgaben wurden durch die aufgelösten Rücklagen beglichen. Es folgte die erste Rate des Gemeindezuschusses von DM 30.000. Mitglieder unterstützten den Bau durch Spenden in Höhe von ca. 10 000 DM und durch zinslose Darlehen in Höhe von 45.200 DM. Die ausführenden Baufirmen zeigten sich bei Angeboten sehr entgegenkommend und räumten uns großzügige Zahlungsziele ein. Die während der Bauzeit festgestellten Schäden am Bau stellten uns nicht lange vor Probleme. Die Gemeinde übernahm die Kosten für die Sanierung am Balkon, den Dachflächenfenstern und Schäden an der Nordfassade. Trotz einiger Pannen und überraschungen gingen die Bauarbeiten zügig voran und in den letzten Tagen sind die Aussenarbeiten zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Gleichzeitig sind auch die Abrechnungen so gut wie abgeschlossen.
Der Anbau hat dem Verein als Träger der Baumaßnahme bisher ca. 220 000 DM gekostet und einige geringe Posten sind noch offen. Unser Kassenbestand hat zur Zeit wieder die gleiche Höhe wie vor Baubeginn. Lediglich unser Geldvermögen wurde aufgelöst und in das Vereinsheim investiert. Zur Zeit haben wir noch ca. DM 10.000 Schulden aus Darlehen...Befürchtungen, dass die Belastungen durch den Anbau zu Einschränkungen der Arbeit der Sparten führen könnte, haben sich zum Glück nicht bestätigt... Dieser glatte Durchlauf wäre ohne den Einsatz, die Solidarität, die Hilfsbereitschaft von Mitgliedern und ehrenamtlichen Helfern und ohne Unterstützung in Politik, Verwaltung und dem Verständnis der ausführenden Firmen nicht möglich gewesen, so Wolfgang Ohrt in seinem Abschlußbericht, verbunden mit einem Dank an alle, die uns geholfen haben.
Doch es ab auch eine ganze Reihe von Hürden, die genommen werden mussten. So die überraschung, als sich bei der Generalversammlung 1996, wo über den Anbau abgestSmmt wurde, Peter Acker und Bernd Tietgen der Stimme enthielten. Sie kandidierten auch nicht wider für den Vorstand. Zum Glück, denn mit Wolfgang "Muckel" Schink bekamen wir einen Mitstreiter, der uns dank seiner Kenntnisse und Verbindungen Tausende von Mark sparen ließ. Ein Architekt wurde gefunden, auf Vorschlag eines Immobilienmaklers und Politikers. Er würde sich erkenntlich zeigen. Wir warten bis heute drauf. Der Architekt wollte nicht immer so wie wir, war auch nicht der schnellste. Das allerdings beim Rechnung schreiben. Erster Abschlag an ihn 3200 DM. Gewaltiger Papierkrieg, mit immer neuen Anfragen und Auflagen. Am 4.4.1998 ist die Baugenehmigung da.
Nächstes Problem: der Tennisklub benötigte bei der Anlage seines vierten Platzes ein Stück TuS-Gelände. Bekam er selbstverständlich, verbunden mit der Bitte: Wenn ihr mit den Erdarbeiten beginnt, sagt uns rechtzeitig Bescheid. Auch wir müssen Erde abtragen - es wird dann für beide Seiten billiger. Taten sie nicht und ein Tennis-Vorstand zuckte bei Vorhaltungen nur mit den Achseln. Der gleiche Mensch, der ein Schloß auf dem TuS-Gelände knacken ließ, um einem von ihm bestellten Lkw die Zufahrt zum Tennisgelände zu ermöglichen Mit einem Anlieger hatten es die Tennisleute es auch verscherzt, angeblich weil sie einen Weg ruiniert hatten. Diesen Weg benötigte der TuS auch für die Erdarbeiten. Bei einer Anlieger-Versammlung baten wir um Verständnis für eventuelle Belästigungen. Es war eine harmonische Versammlung. Bis Anlieger Benecke knallhart erklärte: über mein Gelände darf nicht gefahren werden. Verwaltung und Politik, oder beide, hatten sich bei der Erteilung von Baugenehmigungen nicht das Wegerecht sichern lassen. Ergebnis: Zusammen mit Bürgermeister Adolf Wendt, der uns immer eine Hilfe war, hat der Vorsitzende noch einmal mit dem Anlieger verhandelt. _nach einigen Stunden im Klubhaus - an der Theke natürlich - wurde man sich einig. Für 1000 DM bekam der TuS das Durchfahrtsrecht von einem Mann, der von sich behauptete, ein großer Freund des Sports zu sein. Am 4. Mai 1998 sollte der Bagger kommen, kam einen Tag später, mittwochs der erste Laster. Um zehn Uhr gab es einen Knall: Der Bagger hatte eine Strom-Versorgungsleitung gekappt. "Buckel" Bahrs, einst bei der Post mit Kabeln vertraut, kam mit etwas Draht und Uhrmacherwerkzeug. Das überlandwerk wurde angerufen, wir wurden beschimpft, aber uns wurde geholfen. Dann der Streit um die Rechnung: Sollte die Versicherung des Baggers zahlen, der Architekt, der keinen Leitungsplan vorgelegt hatte oder der TuS? Der TuS war es schließlich, der die DM 408,- zahlte.
Und immer wieder ließ sich die Bauaufsicht sehen, nicht immer zu unserem Schaden. Es gab auch vernünftige Tipps. Die Arbeit ging so zügig voran, dass wir ängste bekamen. Denn es kamen auch die Rechnungen. So der zweite Abschlag vom Architekten: 4750 Mark bekam er. Hier an dieser Stelle seien auch einige Namen genannt: Walter Hagemann marschierte jeden Tag nach der Arbeit bei der Phönix wie ein Feldherr über die Baustelle am Höpen und gab Ratschläge, korrigierte, lobte aber auch. Walter Wolf machte das auch, aber natürlich alles dezenter. Trotzdem waren die Handwerker ob dieser Kontrollen nicht gerade begeistert.


Meister der Sparsamkeit

Er hat jeden Pfennig mindestens einmal umgedreht, wenn es um Gelder aus der Kasse des TuS Fleestedt ging. "Er war geizig," sagen seine Kritiker. "Er hat grundsätzlich erste einmal nein gesagt, wenn eine Abteilung des Vereins mit Forderungen oder Wünschen kam." Die Rede ist von Gerhard Rust (siehe Foto), von Januar 1967 bis März 1978 sowie von März 1986 bis Anfang 1992 Vorsitzender des TuS Fleestedt. Doch auf die sprichwörtliche Sparsamkeit lässt sich die Zeit des Gerd Rust im TuS nicht reduzieren.
"Zum TuS bin ich gekommen, weil mein Sohn Uwe Fußball spielte," erzählte der präzise formulierende Beamte. "Papa, kannst Du uns fahren," wurde ich gefragt, da ich einer der wenigen war, der 1963 schon ein Auto hatte. "Eingetreten am 1.11.1963," steht in der Mitglieder-Kartei des TuS. Hilde Schulz, besser bekannt als Ehefrau von "Dackel-Walter", kassierte den Vereinbeitrag noch bei den Mitgliedern zu Hause. Sie kam mit Fahrrad und Hund - und war bekannt, wie der oft zitierte bunte Hund.



Eine Zigarrenkiste mit 60 Mark bekam Rust kurze Zeit später in den Hand gedrückt Damit war er der Kassierer des Vereins. Und als er nach den Sparbüchern des Klubs fragte, bekam er zur Antwort: "Sparbücher haben wir nicht, die 50 Mark sind unser gesamtes Vermögen." Bis Januar 1967 war Rust Kassierer und auch noch 2. Vorsitzender des Vereins, der Anfang der 6o-er Jahre eine Fußball-Abteilung und eine Tischtennisplatte in der Pausenhalle der Fleestedter Schule hatte. Und rund 300 Mitglieder.
Die schönsten Erinnerungen: "Das waren die Aufbaujahre. Mit der Fertigstellung der Turnhalle konnten wir endlich an die Gründung neuer Abteilungen gehen. Zu Fußball und TT kamen Kinderturnen, Gymnastik, im laufe der Jahre Badminton, Mutter-und-Kind-Turnen, Tennis und Volleyball hinzu." Der Umbau des Sportplatzes am Höpen (darüber an anderer Stelle mehr) und die Installation der Flutlichtanlage waren weitere Stationen in der Amtszeit des Vorsitzenden Rust.
Gerhard Rust, der nur 73 Jahre alt wurde, hat viel für den Verein getan. Manche konnten oder wollten es nicht sehen Denn mit ihrem l. Vorsitzenden hatten auch sehr engagierte Mitstreiter ihre Probleme. Penibel bei Abrechnungen. Gründlich vor Entscheidungen, kantig oft bei seinen Äußerungen- der preußische Beamte ließ sich nicht verleugnen. Und das wollte Gerd Rust auch nicht. Doch was für ein sparsamer Hausvater der Vorsitzende war, merkten seine Nachfolger erst richtig, als es um die Erweiterung des Klubhauses ging. Bei Kosten von über 220 000 mußte der TuS ein Drittel aufbringen. Und da hatten wir die Sparbücher, die Rust angelegt hatte. Mit fünfstelligen Beträgen! Gesundheitliche Gründe waren es in erster Linie, die Gerhard Rust nach fast 30jähriger Tätigkeit für den TuS zum Rücktritt veranlassten. Aber es war auch ein bisschen Wehmut über die Entwicklung, die der Sport genommen hatte. "Ich bin mein Leben lang Amateur gewesen, mir lag der Breitensport am Herzen, nicht der Leistungssport." Später, bei Gesprächen mit dem Pensionär (krankheitsbedingt), zwischen den Reisen zu entlegensten Ort, gab es auch Zeichen von Resignation. "Die jungen Leute verstehen uns nicht, wir wollen doch nur ihr Bestes" so einst bei einem der vielen Gespräche. Und sogar so etwas wie Selbstkritik. "Ein autoritärer Führungsstil ist offensichtlich nicht mehr angebracht - obwohl er die Arbeit ganz schön erleichtern kann."

Gerhard Rust hat uns am 19. Februar 2003 verlassen. Der TuS hat ihm viel zu verdanken. Gerd kann stolz auf das sein, was er der Gemeinschaft gegeben hat! - wo. -


Abschied von Bernd und Rudolf

"Es ist schön, wenn man sagen kann, dass die Gründung dieser Abteilung sicher eine gute Entscheidung war," schrieb Rudolf Meier zum fünfjährigen Bestehen der Gemeinschaft. Die begeisterte Teilnahme der jungen Judoka spricht für sich. Das ist nicht zuletzt auf unseren engagierten Trainer Bernd Ellhoff aus Winsen zurückzuführen", schreibt Rudolf Meyer in seinem Jahresbericht 1995.


Jüngere Judo-Gruppe (von links nach rechts): 1. Reihe: Dennis Maizak, Christian Gattner, Sebastian Piontek, Simon Behrendt, Björn Andert, Thomas Stolze, Matthias Müller. 2. Reihe: Carsten Schettler, Sascha Ducek, Markus Böhmer, Caroline Loyens. 3. Reihe: Kim Wichmann, David Maizak, Andreas Meyer, Simon Rost, Michael Heick, Trainer Bernd Ellhof, Kai Warstat, Laura di Natale, Dana di Natale


Ältere Judo-Gruppe (von links nach rechts): 1. Reihe: Kirsten Pabst, Martin Kirschner, Philip Hahn, Nick Stolze, Sören Bädker, Marcel Sojka, Kai Braumann, Nils Koppehel. 2. Reihe: Dorina Behrendt, Britt Gattner, Nils Scheffler, Carolin Meyer, André Demke, Katrin Balko. 3. Reihe: Dirk Hagemann, Björn Stolze, Trainer Bernd Ellhof, Jo-Hanna Böhmer, Christian Rost, Carsten Meyer.

"Heute haben wir ca. 50 Kinder, die mehr oder weniger regelmäßig zum Training kommen, und dabei einen Trainingsfläche von 10 mal 10m benutzen können. Wenn ich heute nach über sechs Jahren das Training an Ralph Karsten abgegeben habe, geschieht das in der Gewissheit, dass ich das Training in guten Händen bei ihm weiss. Ihm zur Seite steht der Grüngurt David Maizak, der aus unseren eigenen Reihen kommt. Für mich war es eine interessante Zeit, mit Höhen und Tiefen, die ein Trainer nun einmal erlebt. Hervorheben möchte ich die Teilnahme an diversen Zeltlagern, die überregionalen jährlichen Sportfeste in Braunschweig, unsere gemeinsamen Reisen mit den Judokas des SV/MTV Winsen nach Dänemark, und nicht zuletzt die vielen Übernachtungen in Buchholz anlässlich der Judo-Safari und bei anderen Angelegenheiten", heißt es in den Abschiedsworten von Bernd Ellhoff im Jahresheft des TuS Fleestedt für 1996.
Es sollte nicht der letzte Abschied sein, den die Abteilung verkraften mußte. Auch Rudolf Meyer nahm, ein Jahr nach Bernd Ellhoff, seinen Abschied. Es war ein schwerer Verlust für den TuS, auch wenn sich - dank gewissenhafter Planung der beiden - gute Nachfolger fanden. Rudolf hatte schon früher Schluß machen wollen. Aber da sich kein Nachfolger fand, ließ er sich in die Pflicht nehmen. Das passt zu ihm. Regina Becker trat dann das Erbe an, temperamentvoll, immer mit einem guten Wort bei der Sache. Und auch wenn die Zeit oft knapp war, geschludert hat sie in ihrer Funktion nicht. Wäre sie sonst so lange Abteilungsleiterin geblieben? Hat sie auch manchen Strauß mit Ralph ausgefochten, dem jungen Mann, der in große Schuhe treten mußte, und der einige Mühe hatte. Aber beide - Ralph und Regina - haben es geschafft.
Einen farbigen Gurt erwerben und beim Training und Wettkampf immer tragen, die Judokas vom TuS Fleestedt unterscheiden sich nicht von denen anderer Vereine. Und darum ist der 3. Juli 1997 ein wichtiger Tag in der Geschichte dieser TuS-Abteilung. 23 Judokas bestanden an diesem Tag die Prüfung und konnten sich mit dem Gurt - unterschiedlich in den Farben, nach Leistungsgruppen - schmücken. Wettkämpfe wurden reichlich bestritten, u.a. auch beim Bremer Stadtmusikanten-Turnier. Und was die Mädchen und Jungen gelernt hatten, konnten sie beim Gesamt-Sportfest des TuS zeigen, auf dem Sportplatz am Höpen. Das sollte zu einer Dauer-Einrichtung werden, aber schon ein Jahr später machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die teuren Judo-Matten auf den nassen Rasen- das war nicht zu verantworten. Erfreulich, dass auch die Eltern immer halfen. So manche Feier wäre ohne sie nicht möglich gewesen.
Zum Ende des Jahres gab es einen Hilfeschrei: Wo bleiben die Mädchen? Obwohl der TuS die Kreismeisterschaften der U11 und U15 durchführte, dort wie auch beim Sportfest am Höpen seine Zuschauer fand, blieben die Mädchen in den Trainingsstunden weg. Waren es 1999 noch die Mädchen, die offensichtlich die Lust verloren, so waren es ab 2000 auch die Jungs, die sich mehr und mehr zu anderen Sportarten hingezogen fühlten. Es wurde nach neuen Wegen gesucht, die Trainingsgruppen verändert, Regina und Ralph fetzten sich auch einige Male. Ralph, seit einiger Zeit Familienvater und mit weitem Anmarschweg zum Training, dachte über seinen Rückzug nach. Zumal er keinen Assistenten mehr hatte und das gesamte Trainings-Programm allein durchziehen mußte. TuS Fleestedt ohne Judo? Diese Frage wurde Ende 2003 gestellt. Beantwortet im Jahre 2004. Es ging doch weiter!


Mädchen-Fußball: "Wir sind einfach gut!"

"Mädels, wie war's denn mit Fußball," fragten wir in unserem Jahresheft 1995. Silvia, die einst für Meckelfelds Damen spielte, wollte eine Mannschaft beim TuS aufbauen. Aber es blieb bei ihrem guten Willen. Nach einigen Treffs wurde der Kreis der Interessierten immer kleiner. Die Sache schlief ein. Zwei Mädchen, Julia Rust und Jeniffer Franz (oder war es Elena?) wollten sich damit nicht abfinden. Eines Tages erschienen die beiden bei mir und forderten: "Herr Wolf, wir wollen Fußball spielen, beim TuS!" Im TuS-Vorstand wurde die Anfrage belächelt. Aber da man einer Initiative nicht im Weg stehen wollte, bekamen die Wortführer Trainingzeit auf dem Platz an der Schule und Thomas Bolte erklärte sich bereit, mit den Mädchen zu üben.
"Ich bin der Meinung, dass wir einfach gut sind," zitierte Thomas dann im Jahresheft 1997 Martina Helpap, ein Mädchen der ersten Stunde. Sie waren ganz schön selbstbewusst, die zehn Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren, die sich allerdings mit Pünktlichkeit und Trainingsdisziplin schwer taten. Und sie hatten Zuschauer, oft mehr, als die l. Herren beim Training. Und die Knaben hinter der Barriere sparten nicht mit Kommentaren, wohlwollend, zumeist aber spöttisch oder sogar hämisch. Aber Fleestedts Mädchen sind ja bekanntlich nicht auf den Mund gefallen, und so bekamen die Buben es zurück: Doppelt und dreifach! "Das Jahr 1998 begann für uns mit der Hallenkreismeisterschaft der C-Mädchen (bis höchstens 13 Jahre).Als Trainer hatte ich das Ziel, dass wir nicht Letzter werden," berichtet Thomas. "Das gelang und, obwohl wir kein Spiel gewinnen konnten und auch kein Tor schössen. Wir belegten den 6. Platz bei 8 Mannschaften. Auf Siege und Tore mussten wir weiter warten. Bis die Spiele auf dem Kleinfeld begannen. Wir traten außer Konkurrenz an, spielten gegen Stelle 0:3 und 2:3 gegen Hittfeld. Unsere ersten beiden Treffer wurden von den Spielerinnen, von mir und vielen Eltern bejubelt. Im Spiel gegen Meckelfeld, die Mädchen waren 2 bis 4 Jahre jünger als unsere, gelang uns mit 3:1 der erste Sieg... Das Ziel für die Saison 1998/99 heißt 14 Punkte aus 14 Spielen. Nach fünf Spielen hatte die Mannschaft schon sechs Punkte auf der Haben-Seite. Ddie Mädchen spielen nun die erste Saison um Punkte und Platzierungen und das mit ansprechenden Leistungen. Zwar sehen nicht alle aus dem TuS diese Mannschaft als gleichwertiges Mitglied im Verein an, was mich und einige andere Mitglieder sehr traurig stimmt Aber ich bin der Meinung, dass diese Mädchen viel dazu beigetragen haben, dass das Bild "Fußball ist nur etwas für Männer oder etwas für aus der Form geratene Weiber" in ein anderes Licht gerückt wird." So Thomas Bolte. Und er hatte große Pläne, sprach von weiteren Mannschaften, Turnieren und genoß es sichtlich, wie er von den Mädchen hofiert wurde.
"Leider mußte ich aus beruflichen Gründen das Amt des Trainers niederlagen. Ich möchte mich noch herzlich für die Unterstützung der Eltern und der Abschiedsgeschenke bedanken" Der TuS wollte seine Mädchenmannschaft behalten. Es gab mehrere Versuche einen trainer zu finden. Aber weder Uwe Montanus, der sein Glück versuchte, noch Bernd Brand kamen mit den Mädchen klar. "Ich weiß nicht, was der Thomas Bolte gemacht hat; wie er die Mädchen angesprochen hat. Es klappt einfach nicht," beklagte sich Bernd Brand und gab auf. Allerdings war auch den meisten der Mädchen die Lust an Fußball vergangen. Andere Interessen standen im Vordergrund. Bis eines Tages andere das Heft in die Hand nahmen. Thomas, der sich noch einmal bei einem Jubiläum in Fleestedt sehen ließ, verriet dann auch:" Es hat viel Spaß gemacht, aber Nerven haben mich die Zicken doch gekostet."


1999: Wie man Trainer wird

Haben Sie einen Sohn oder eine Tochter im Alter von 6 bis 12 Jahren? Vielleicht erleben Sie dann etwas Ähnliches. Mein Sohn Nils, zwischenzeitlich 13 Jahre alt, spielt schon viele Jahre in einer TuS Fleestedter Jugend-Fußballmannschaft. Wenn ich Zeit habe, fahre ich als Begleitperson mit zu den Spielen. Eines Tages sagte meine Tochter, sie wolle auch Fußball spielen. Ob es die Lust am Fuballspielen war, oder aber das Gefühl, dass der Papa diese Zeit oft mit ihr verbringen könnte, habe ich bis heute nicht endgültig klären können. Leichtsinnigerweise antwortete ich: "Laura, wenn Du 12 Mädchen in Deiner Altersgruppe zusammen hast, werde ich mich an den Fußball-Obmann wenden und ihn fragen, ob eine Mädchen-Fuball-Mannschaft gegründet werden kann."
Ernsthaft habe ich nicht gedacht, dass meine Tochter eine Liste von 12 Mädchen zusammenstellen wird. Um so überraschter war ich, als ich - nur wenig später - eine solche Liste mit Namen und Geburtsdaten vorgelegt bekam mit dem Auftrag, nunmehr alles Weitere in die Wege zu leiten. Ich wandte mich an Walter Hagernann und Walter Wolf, die mir erklärten, dass es kein Problem sei. Einen Trainer für die Mannschaft allerdings hätten sie nicht. Versuche, in der Elternschaft oder sonstigen mir bekannten Fußballumfeld des TuS einen Trainer zu finden, scheiterten, so dass ich dann von meiner Tochter selbst in die Pflicht genommen wurde. "Versprochen ist versprochen!"
So begannen wir dann im Mai 1999 mit dem Training und es waren tatsächlich immer mindestens 10 Mädchen vor Ort. Dies änderte ich auch nicht in den folgenden Wochen, so dass die Mädchen offensichtlich alle ernsthaft Fußball spielen wollten. Zwischenzeitlich nehmen wir am Spielbetrieb der Mädchenmannschaften teil, sind insgesamt 15 Mädchen , alle mit Eifer und Engagement dabei. Altersmäßig liegen meine Mädchen leider zwischen den Jahrgängen 88/89. Bis 88 müssen sie bei den C-Mädchen (86 - 88). Ab 89 können sie bei den D-Mädchen (jüngerer Jahrgang) spielen. Wir müssen daher schon bei den großen Mädchen spielen und haben gleichwohl bei insgesamt 7 Punktspielen nur viermal verloren und dreimal gewonnen, sind in der Tabelle von 8Mannschaften jetzt 5. Vor allen Dingen sind wir aber mit Spaß bei der Sache. Mädchenfußball hat Zukunft!
(Christian Mever im Jahresheft des TuS Fleestedt 1999)


Fleestedts tolle Mädchen, die 1999 schon eine richtige Mannschaft sind (von links) : Jasmin Schrader, Laura Meyer, die ihren Vater in die Pflicht nahm, Daniela Reich, Hannah Fode, Trainer, Betreuer und Manager Christian Meyer, Lena Feldmann, Lina Rust, Anna Mielke, Maria Maddalena Maroccu, Svenja Thomsen, Kea-Sophie Hielscher und Kim Laura Scheibe. Foto: Ernst Neumüller


Fußball 2000: Christian Meyer in guter Hoffnung

"Alles Gute wünsche ich auch Peter und Christina Niemann von den kleinen D-Mädchen. Mögen auch sie weiterhin so viel Spaß und Erfolg mit ihrer Mannschaft haben,"schrieb Christian Meyer Ende 2000, nachdem er den Erfolg seiner C-Mädchen gewürdigt hatte. Christian hatte regelmäßig 16 Mädchen zur Verfügung, nachdem drei Mädchen aus Maschen gekommen waren, die vorher in Jungenmannschaften gespielt hatten. Erfolg aber hatten auch die Niemanns, die - so sollte sich bald herausstellen - ein großer Gewinn für den TuS Fleestedt und den Mädchen-Fußball überhaupt waren und sind. Begonnen hatte es damit, dass Niemann-Tochter Simone-Nicole das einzige Mädchen bei der G-Jugend, dem "Fleestedter Elchen", mit Begeisterung spielte. Mit Mund-zu-Mund-Propaganda, aber auch mit Handzetteln, wurde um Mitmacher-Mädchen geworben. Mit Erfolg! Plötzlich waren 18 Mädchen da. Pech, dass sie gegen Mannschaften antreten mussten, deren Mitglieder bis zu drei älter und entsprechend robuster waren? Im Gegenteil! Es sprach sich schnell herum: "Fleestedter Mädchen können kämpfen!" Die Erfolge ließen nicht auf sich warten. Es gab es tolles Turnier an der Schule, Halbzeitmeisterschaft und Pokalerfolge für die C-Mädchen Die D-Mädchen wurden vor Emsen und Meckelfeld beste Mannschaft des Landkreises bei den Hallen-Bezirksmeisterschaften. Teilnahme an vier Einladungsturnieren und z.B. in Jesteburg Zweiter bei 12 Mannschaften. Sieger die Mädchen des großen HSV.
Den größten Erfolg aber schafften unsere Mädchen im September 2002, obwohl sie nicht als TuS Fleestedt auftraten. Es ging um die Teilnahme am Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" der Jahrgänge 1988/89. Gemeldet wurde die Mannschaft des Gymnasiums Meckelfeld. Sie gewann nicht nur alles Spiele gegen Gegner aus dem Landkreis und aus dem Bezirk, sondern setzte sich auch auf Landesebene durch. Mit dem Sonderzug ging es nach Berlin. Alle 16 Bundesländer waren mit je einer Mannschaft vertreten. Gymnasium Meckelfeld wurde Gruppensieger, gewann das Viertelfinale und scheiterte im Halbfinale an dem späteren Sieger, dem Bundesleistungszentrum Potsdam. Gegner der Potsdamer waren im Finale übrigens die Berliner, die in den Gruppenspielen von unseren Mädchen jedoch 3:0 besiegt wurden. Unsere Mädchen stimmt tatsächlich, denn von den neun Mädchen, die mit Sportlehrer Prokscha in Berlin waren, spielten acht bei den C-Mädchen des TuS Fleestedt Es waren: Lena Feldmann, Maria-Maddalena Marrocu, Hannah Fode, Anna Mielke, Jasmin Schrader, Rena Tilsner, Sabrina Peters und Laura Meyer. Vom TV Meckelfeld war Ronja Czullay dabei, deren Vater seit seiner "Geburt" in Fleestedt Fußball spielt. " Der Mädchen-und mittlerweile auch der Damen-Fußball hat sich zwischenzeitlich beim TuS Fleestedt etabliert," zieht Christian Meyer, ehemaliger Liga-Spieler und Vater der Fußball-Kinder Laura und Nils Bilanz. Eine stolze Bilanz, denn die vier Mannschaften (drei Mädchen, einmal die Damen) verloren von 34 Punkt- und Pokalspielen ganze 5! Manuel Hütt war inzwischen auch Trainer bei den Damen. Bei den Mädchen aber hatten und haben Christina und Hans-Peter Niemann alles fest in der Hand. Sie haben beide eine bewundernswerte Art mit jungen Menschen umzugehen. Sie verbreiten gute Laune, haben ein offenen Ohr für Probleme. Und trotzdem: Sie fordern die Kinder, lassen keinen Schlendrian aufkommen. Erziehen durch Vorbild zu Gemeinschaftsverhalten. Schade, daß Christina und HP nicht Lehrer geworden sind. Ihnen hätte ich meine Kindern gern anvertraut. Groß heraus kam eine kleine, temperamentvolle Spielerin beim TuS: Maria-Maddalena Marrocu. Bei der Talentsichtung 1998 schaffte sie den Sprung in die Bezirksauswahl, wurde in die Landesauswahl geholt, setzte sich bei drei Lehrgängen durch und gehörte schließlich zu den 19 Spielerinnen der U-15-Landesauswahl. Schade, dass Maria - Maddalena nicht bei uns geblieben ist, aber mit ihrem Können gehört sie in eine höherklassige Mannschaft.


Fußball 2003: Aus Mädchen wurden Damen

Sie konnten sich gut benehmen - auf dem Fußballplatz und auch im Umgang mit den Mitmenschen. Darum ist es irreführend, davon zu sprechen, dass unsere Mädchen Damen wurden. Aber im Fußball ist es nun mal so, dass von einer gewissen Altersgrenze an, die Mädchen in den Damenklassen spielen müssen. "Die Mädels sind flügge geworden. In einer demokratischen Entscheidung entschieden sie sich im Verhältnis 11:3 dafür; in dieser Saison, obwohl sie noch teilweise zwei oder drei Jahre Jugend spielen könnten, komplett als Damenmannschaft in der Kreisliga Harburg anzutreten," berichtet Christian Meyer zur Saison 2003/2004. "Heute können wir sagen, dass die Entscheidung richtig war. Sportlich, aber auch körperlich haben wir mithalten können."
"So viel über Mädchen- und Frauenfußball im TuS-Jahresheft," knurrte mich einer von den Männern an, bei denen Fußball der Kinder -zum Glück -Spiel ist, bei den Männern jedoch Kampf. Oft kann der Knurrhahn die Mädchen und Frauen nicht gesehen haben, denn sie hätten ihm gezeigt: Wir können auch kämpfen, aber wir können auch spielen, und mit großen Erfolgen aufwarten. überschriften aus dem Jahresheft 2003, sportliche Bilanz, beweist das: C-Juniorinnen im 3. Jahr in Folge C-Kreismeister D-Juniorinnen 2. Jahr in Folge D-Kreismeister E-Juniorinnen Meisterschaft im Doppelpack. Chrischy und HP Niemann haben hervorragende Arbeit geleistet und leisten sie immer noch. Wieviel Kinder sie unter ihre Fittiche genommen hatten und haben, welche Erfolge sie verzeichnen konnten - nur sie selbst wissen es wahrscheinlich genau. Und zu wünschen wäre, dass sie es einmal aufschreiben, für die, die nach ihnen kommen (was hoffentlich nicht so bald sein wird) und für die Chronik des TuS Fleestedt, die nur dann lebt, wenn möglichst viele daran mitarbeiten.

Betreuer und Trainer sind Christina und Hans-Peter Niemann (obere Reihe). Darunter (von links): Kirsten Hettwer, Eileen Abeska, Joy Haffke, Tanja Thomsen, Janne Hentschel, Franziska Steiner, Nadja Werner, Stefani Reissberg, Vanessa Peter. Unten (von links): Jania Dopp, Pia Diedrichsen, Xenia Adone,Simone-Nicole Niemann.



"Fortsetzung" folgt...